Wiener jüdisches Familienblatt
- Journal
- Wiener jüdisches Familienblatt
- Volume
- 2 (1934)
- Issue
- 3 (Jänner 1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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\Je>cUüHdluHtye*i <zut Mkunfy <k& 6<stewtitUUcUe*i }ude*t$catyt Die Diskussion über die Judenfrage wird in dein Augenblick nicht mehr auf Ablehnung stoßen, wenn es sich /.eigen w ird, daß die Mensehen, welche den Weg sehen und den Weg gehen wollen, den Weg auch kennen und dem Ziele vertrauen, an den Erfolg glauben. Das Buch „0 r d n ung i n d e r -I u d e n 1 r a ge" von Dr. Czermak und Dr. Karbach hat eine eingehende Diskussion hervorgerufen. Da aber in dieser Broschüre nur die Frage aufgerollt wurde, ohne den Weg zu /.eigen, der gegangen werden soll, ist die öffentliche und noch mehr die nichtöffentliche Auseinandersetzung recht unerquicklich geworden. Aber sie hat trotzdem sehr ersprießlich gewirkt, wenn man nun einen Schritt weitergeht. Die S c h r i f t h a t n ä m lieh kl ä r e n d g e w i r k t. Die Schlagworte vom nationalen Judentum und von der staatlichen Gleichberechtigung der Juden und von der jüdischen Rasse sind in ihrem Wert und Unwert erkannt worden. Dr. Czermak hat das nationale Bekenntnis der Juden gelordert und ein erheblicher Teil der „Nationaljuden" hat zuerst begeistert „ja" gesagt und einige Tage später noch viel energischer „nein" gerufen. Manchen wurde vor ihrer eigenen Ueberzeugung Innige, denn sie hatten keine klare Ueberzeugung. Ebenso wirkte die Broschüre in nichtjüdischen Kreisen. Sie fand grundsätzliche Zustimmung in deutschkatholischen Kreisen und Ablehnung in den Reihen getaufter Juden. Es ist nicht schwer, de n U r s a c h e n d e r F a h n e n f1u eh t nationaler J u d e n v o r ihrer n a t i o n a l en 1 d e e n a c h /. u s p ü r e n. Die österreichische Judenschalt ist noch ganz in den Gedanken der Pseudodemokratie belangen, welche mit der Schließung des Parlaments zu Grabe getragen wurde, in dem Gedanken, daß sich der politische „Führer" nach den Stimmungen der Massen zu richten habe. Es hat sich erwiesen, daß der „Führer" führen muß, daß er den Massen Wege zu zeigen, sie auf Wegen zu führen (hat und daß nur nachträglich die öffentliche Meinung über die Leistung urteilen kann. Es gibt aber noch eine Seite der Frage, eine Menschengruppe, die sich mit Feuereifer auf das agitatorisch dankbare Gebiet der Judenfrage gestürzt hat, die „nationalen Kreise" Oesterreichs, wie sich die katholische Assimilation gerne nennt. Es sind dies jene Kreise, welche Einflüssen aus dem Reiche zugänglich sind und wenigstens auf dem Gebiete der Judenfrage eine „Gleichschaltung" anstreben, wohl wissend, daß auch in Deutschland die Judenfrage der Steigbügel war, um die Macht zu erklettern. Man versuchte auch mit diesen Kreisen in Kontakt zu treten und beiderseitige Aufklärung zu schallen. Deutsch-nationale Kreise meinten, daß die .luden gut daran täten, ihren Einfluß geltend zu machen, um den „nationalen Kreisen" den Fintritt in die Bundesregierung zu ebnen. Denn je früher dies geschähe, mit desto „geringeren Exzessen" würde diese Umbildung vor sich gehen. Daraul' wurde nicht geantwortet, daß nur die allerdümmsten Kälber sich ihre Metzger selber bestellen, sondern nur der Wahrheit die Ehre gegeben und der Zweifel geäußert, daß die .Juden über einen Einfluß auf die Regierung verfügen. Den Juden steht es gewiß frei, für Regierungszwecke Opfer an Gut und Geld zu bringen, aber ein Einfluß ist damit keineswegs verbunden, wie man jederzeit feststellen kann. Welchen Grund sollte auch die Regierung haben, sich einem jüdischen Einfluß zugänglich zu erweisen, wenn sie es auf sich nimmt, sich gegen zwei große Fronten in Oesterreich und gegen eine benachbarte Großmacht zu wehren0 Die Erörterung der Judenfrage von dieser Seite ist denn auch keine jüdische, sondern eine viel weitergehende politische Frage und gerade die Tatsache der Steigbügelbestrebungen zeigt sehr deutlich, daß es für Juden und Katholiken gleichermaßen wichtig wäre, der Diskussion über die Judenfrage eine deutliche Wendung zur Lösung zu geben und sie wegzuführen von dem Mißbrauch zu anderen Zwecken. Man unterschätze dies nicht. Theodor Herz] hat gesagt: „Unser größter Patriotismus ist es und wir nützen auch unserem Lande, wenn wir an der Losung der Judenfrage mitarbeiten". Die ungeklärte Judenfrage, der ziellose Antisemitismus sind wie nichts sonst geeignet, im Trüben Tischen zu lassen, Ambitionen zu ermöglichen, die sonst keinerlei Aussicht hätten. Die Diffamierung der Juden ist das Mittel, um das Volk auf einen Südenbock abzulenken und Absichten zu verschleiern und Schuld abzuwälzen. Die Juden haben es in der Hand, dem Gegner dieses Mittel zu entwinden, indem sie offen und ehrlich nicht nur über sich und ihre Lage sprechen, 3