Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IV (1908)
- Issue
- 16 (25.12.1908)
- Date
- 1908-12-25
- Page
- Seite 131 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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131 No 1 6 LITERATURBLATT los für eine Giraffe ansehen kann. Möglicherweise hielt sich der syrische König eine Giraffe in Gezer oder sonst irgendwo, deren sonderbare Gestalt den Karikaturisten gereizt hat. (Es ist vielleicht an einen zoologischen Garten zu denken, wie ihn die Ptolemäer zu Alexandria hielten, oder hatte der Karikaturist das Etablissement eines syrischen „Hagenbeck“ gesehen, wie Thiersch einen solchen in den mit Tiergesitalten geschmückten „Painted tombs of Marisha“ begraben annimmt.) — Fer? ner wurde eine Anzahl merkwürdiger kleiner, mit Zeichnungen versehener Votivaltäre in höheren Lage gefunden. Dargestellt sind wild tanzende Figuren, ein Vogel, der sich auf einen Palmbaum niederlässt; und auf einer Weihrauchbüchse fand man einen Mann mit einer Art Drachen kämpfend, eine Darstellung, die daran denken lässt, dass die Legende vom hl. Georg mit dem Drachen in Lydd, nur wenige Meilen von Gezer entfernt, lokalisiert ist. Vielleicht sind es die ..disjecta membra“ aus einem von Simon dem Makkabäer zerstörten Götzenhause. —■ Ein ganz einzigartiges Modell eines Bootes aus der Zeit der Könige wurde noc# gefunden. Es ist aus Ton, erinnert vollständig an einen modernen Fischernachen mit starken!’ vorspringenden Kiel, und man kanr* dabei an die Seetätigkeit in der Periode Salomons und Jehosaphats denken. — Wählend Macalister früher die Meinung gehabt hat, dass die Graffitti in der Höhle, die von acht Schichten bedeckt ist und von der früher die Rede war, den aus den südfranzösischen und nordspanischen Höhlen bekannten paläolythischen Wandkritzeleien Reichen. ist er jetzt der Ansicht, dass sie in die neolithische Zeit zu datieren sind. Eine grössere Anzahl von Gräbern aus der Zeit von ungefähr 1000 wurden geöffnet. Eines war ein Massengrab, wobei in einer nickt einmal grossen Kammer die Gebeine von mindestens hundert Menschen und Tieren vermischt gefunden wurden. Ob diese vermischten Reste von Mensch und Vieh auf eine Epidemie zurückgehen, wie eine solche fiir Mensch und Schlaf in den Tel! el-Amarna-Tafeln erwähnt ist, oder ob es die Begräbnisstätte von ganz armen Leuten war. wie Jeremia (XXII, 1.9) ,für den König’ Jejokajin antizipiert, lässt sich nicht entscheiden. Ausserdem fanden sicih zahlreiche Knochen in künstlichen napfförmigen Felsenaushöhlungen, deren Alter namentlich an den Zähnen konstatiert werden konnte. Die Zähne aus den Felsenaushöhlungen waren nämlich fast durchweg in ganz vorzüglicher Verfassung und zeigten fast gar keine Spur von Caries, während Gebisse aus anderen Begräbnisstellen, namentlich von in den grossen Krügen beigesetzten Leichen, vielfach sehr 'schlecht waren?. Der letztere Zustand ist zweifellos als unvermeidliche Folge eines Zivilisationsfortschritts anzusehen. M. MÜNCH. NEUESTE NACHRICHTEN- Die Ketten des heiligen Georg. Ueber die schrecklichen Wirkungen alten christlichen Aberglaubens berichtet die FRANKFURTER ZTG. in einem Jerusalemer Brief. _ Hoffentlich weht der frische Luftzug der Konstitution noch eine Weile weiter und bringt uns auch Fortschritte auf anderen Gebieten; vielleicht fegt er dann auch, endlich die, dumpfe Atmosphäre des, Aberglaubens mit hinweg, der hier noch seine krassesten Blüten treibt. Nur ein Beispiel dafürDreieinhalb Stunden südwestlich von Jerusalem im Distrikt der Beni-Hassan liegt das kleine Dörfchen Chadr mit der griechischen Kirche und dem damit verbundenen Kloster El-Chadr nach seinem Schutzheiligen auch St. Georg genannt. Zwei eisenbeschlagene schwere Tore führen in den Vorhof, von dem man auf der einen Seite in die düstere Kirche, auf der anderen in den noch düstereren Klosterbau gelangt. Steigt man die Stufen zu diesem hinan, so wird einem bald ein ganz unerwarteter, entsetzlicher Anblick. Eine menschliche Gestalt, in Lumpen gehüllt, hockt in einem vergitterten k ä f i g - artigen schmutzstarrenden Loche und stiert uns mit Blicken an, aus denen der W ahnsinn spricht. Und nachdem man sich ein wenig an die Dun-