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Jüdische Rundschau · 1908-12-25 · 16 (25.12.1908) · p. Seite 129

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IV (1908)
Issue
16 (25.12.1908)
Date
1908-12-25
Page
Seite 129 (sequence 5)
Language
German
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No 16 LITERATURBLATT 129 86 Jahren, während er ein junges Weib zeichnet. Vielleicht wäre der Siegestanz der Alten doch eindrucksvoller gewesen. Dann zeigt er uns den Sinai in Wetterwolken und das Zweitafelgesetz. Von wunderbarer Schönheit ist das Schlussbild, wo Moses die zwei steinernen Tafeln, die er vom Berge Gottes herniederbringt, zerschmettert. Man sieht auf das Zeltlager und das goldene Kalb dort unten und oben über dem weinenden und ireuigen Ahron steht ein gewaltiger und zugleich wunderbar schöner Mosch eh, der mit Grimm und Entrüstung herniederblickt, während er die Tafeln zerschmettert. Das Modell, welches Lilien für seinen Moscheh gedient hat, ist ja unsern Lesern bekannt und lieb. Hier hat sich unser Künstler selbst übertroffen. Wir freuen uns recht herzlich, dass das', klassische Werk so schnell fortschreitet. H. L. Bilder aus dem alten Israel von Holger Jahn. Mit einem Vorwort von Prof. Dr. theol. Fr. B u h 1. Autorisierte Uebersetzung aus dem Dänischen von Ottilie von Harling. Dresden: C. L. Ungelenk 1908. (V, 127 S.) 8. Es sind zum Teil ganz reizende kleine Kulturbilder, die uns der dänische Dichter bietet und die in guter deutscher Uebersetzung vorliegen. Mit viel Phantasie und feinem dichterischem Blick hat er uns die Zeiten der Richter mit ihrer Wildheit, die grosse Zeit des werdenden und kämpfenden Königtums in Israel und Juda, die Heimkehr unter Serubabel, die herodianische Zeit und den letzten Kampf unter Barkochba und Akiba vorgeführt und ist dabei im schlichten Jugendtone geblieben. Die Erzählung Simeon ist übrigens ganz christologisch. Das Buch kostet kartoniert nur 1,50 Mark und in hübschem Originaleinband 2,25 Mark. E—m. Ben-Jehuda, Elieser: Thesaurus totius hebraitatis et veteris et: recentioris. Schöneberg: G. Langenscheidt, 1908 ff. Von dem monumentalen Werke, das in diesem Blatte bereits einer ersten Besprechung unterzogen wurde, liegt nun bereits das zehnte Heft uns vor, das bis zum Stamme 11 vorgedrungen ist. Wir können nur wiederholen, dass ein solches Werk in hebräischer Sprache bisher nicht existiert hat. Der ausserordentliche Reichtum von Material, der aus der ganzen Literatur des Judentums aller Zeiten und aller Länder herbeigeholt ist, ist so gross, dass wir es nie für die Arbeit eines Einzelnen halten würden, wenn wir nicht wüssten, dass Ben Jehuda ganz allein arbeitet. Der ungeheure Fleiss und die ausserordentlich grosse Kenntnis kann nur Staunen hervorrufen und es erübrigt sich daher, schon jetzt auf Einzelheiten einzugehen, da der Gesamteindruck des Werkes, das durch deutsche, französische und englische kurze Uebersetzungen und Heranziehung einer reichen Literatur in allen möglichen Sprachen noch brauchbarer wird, ein überwältigender ist. Wir können nur den Wunsch wiederholen, dass das- Werk bald abgeschlossen vor uns liegt. Heinrich L o e w e. Lebensklagen, Jargon-Gedichte von Salcmon Dembitzer. Druck und Verlag von Eckert & Jesnitzer in Kassel. (61 S.) 8 °. Preis 1 Mark. Die etwa 30 Lieder legen einen schönen Beweis ab von dem Können des jungen Dichters. Der junge Dichter, der erst zwanzig Jahre alt ist, wird namentlich in der Form noch viel zulernen müssen, offenbart aber ein so treffliches Talent, dass wir hoffen dürfen, ihm noch recht oft zu begegnen. Ch. Müntz: Wir Juden. Zweite Auflage'. Berlin: Oesterheld & Comp. 1907. (124 S.) 8“. __ Ein interessantes Buch, ein Buch, das nach Wahrheit ringt. Es soll Philosophie und Weltbetrachtung sein und ist Dichtung, jüdische Dichtung. Damit soll keineswegs gesagt sein, dass alles, Avas der Autor schrieb, Anspruch auf Anerkennung hat: vieles, was er eben für reine Wahrheit hält, ist eben Dichtung. Aber interessant ist es,, mit ihm zu lesen und zu versuchen, seine historische Dichtung nachzufühlen. Wir stimmen aber mit

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