Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1908-12-25 · 16 (25.12.1908) · p. Seite 128

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IV (1908)
Issue
16 (25.12.1908)
Date
1908-12-25
Page
Seite 128 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/8295971-4781796-8238413--781-8190387
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

128 LITERATURBLATT Nr. 16 Jüdische Sozialhygiene In einem Aufsatz „Die Renaissance der jüdischen Sozialhygiene” (Arch. f. Rassen- und Gesellschatts-Biologie 1908, Heft 5/6) bespricht Dr. 11. L. Eisenstadt (Berlin) das im biblischen und talmudischen Gesetz niedergelegte System der sozialen Hygiene bei den Juden. Der Kampf gegen die Krankheiten genügt nicht, um ein Volk gesund zu erhalten: dazu gehört vielmehr, „die von Aerzten gefundene beste Form der Anpassung des menschlichen Lebens an die Eigenart, besonders die klimatische Beschaffenheit des Landes”. Als die wichtigsten Gebiete bezeichnet E. die Ernährungs- und die Sexualhygiene. In der Ernährungshygiene spielt die Massigkeit der Juden im Alkoholgenuss eine bedeutsame Rolle. Die (von manchen Autoren als spezifisch angesehene) Mindersterblichkeit der Juden an Tuberkulose führt E. auf die Schächtvorsehriften und die Behandlung des Fleisches zurück. Hygienische Zwecke legt er auch der Trennung von Fleisch- und Milchspeisen unter. Für eine Lücke der mosaischen Gesetzgebung hält der Verfasser den Mangel einer direkten Empfehlung der vegetarischen Diät, die er für die richtige hält.. Kurz wird auch das Institut des Sabbaths als eine Maassregel der Berufshygiene erwähnt. — Für den wesentlichsten Teil der jüdischen Sozialhygiene hält E. die sexuelle Hygiene. Er tritt wann für die Frühehe als bestes Mittel gegen die Prostitution ein. Von Massregeln für die Zukunft empfiehlt E. die Verstaatlichung der Aerzte; Bildung von Genossenschaften für Vegetarismus, Abstinenz, Sport; genossenschaftliche Ernährung; Mutterschutzvereine; sexuelle Unterweisung der reiferen Jugend. Ref. kann nicht verschweigen, dass ihm zahlreiche Einzelheiten der hier kurz skizzierten Ausführungen, für die auf das Original verwiesen werden muss, bedenklich oder anfechtbar erscheinen. Vieles von dem in der Arbeit Dargestellten kann nicht als „jüdische“ Sozialhygiene bezeichnet werden, weil es keine Stütze im jüdischen Gesetz findet, so z. B. Alkoholabstinenz und vor allem der Vegetarismus, den Ref. überhaupt als Ideal ablehnt. Die nachbiblischen Speisegesetze lassen sich keineswegs., durchweg hygienisch deuten, selbst die biblischen fast gar nicht. Dieser Deutung unterliegt vielleicht überhaupt nur die Fleischbeschau und die Sehächtung. In der Frage der Friih-Ehe und Prostitution sind wirtschaftliche Gesichtspunkte nicht genügend berücksichtigt. „Alkohol und S.t-illfähigkeit“ ist auch nach Bunge’s Arbeiten noch kein abgeschlossenes, Kapitel. Gegen einen Satz wie den folgenden sollte sich die Feder sträuben: „Selbst ein Spinoza wäre dem Judentum nicht abtrünnig geworden, hätte er eine Erühheirat geschlossen.” Dr. Elias Auerbach. Literaturbericht Die Bücher der Bibel. Herausgegeben von F. Rahlwes. Zeichnungen von E. M. Lilien Band I. Ueberlieferung und Gesetz. Braunschweig:. George Westerrnann, 1908. Von der hervorragenden Bibelausgabe, die in unserem LITERATUR¬ BLATT bereits ausführlich besprochen worden ist, erschien soeben die vierte Lieferung. Sie reicht vom Auszuge aus Aegypten bis zur Einschärfung des Sabbathgebotes. Das einleitende Bild führt uns, in das. träumende Aegypten, das den Tod seiner Erstgeborenen beklagt und auf dem Throne sitzt der finstere und bleiche Pharao, dessen harter Sinn das Unglück über sein Volk gebracht hat. Bald darauf sehen wir Mirjam sich, im Siegesreihen drehen. Hier hat Lilien die biblische Ueberlieferung und die jüdische Erläuterung verlassen. Mirjam war danach eine Tänzerin von.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.