Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IV (1908)
- Issue
- 16 (25.12.1908)
- Date
- 1908-12-25
- Page
- Seite 127 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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No. 16 LITERATURBLATT 127 sammenhanges liegt das nationale Wesen unserer Bewegung. Auf den Geschichtsunterricht müssen wir allso ebenso sehr aus nationalen wie aus allgemein-kulturellen Gründen wesentlichen Nachdruck legen. Aber hier verlässt uns überhaupt der Vorrat an Lehrmitteln. Denn wenn wir auch in der Jawitzschen Geschichte des Jüdischen Volkes ein brauchbares Buch für die Geschichte des eigenen Volkes erhalten, so sind die allgemeinen Geschichtsbücher, die uns in andern Sprachen zur Verfügung .stehen, doch unter dem Gesichtswinkel der europäischen Entwicklung entstanden. Das trifft auf die Jüdische Geschichte ebenfalls zu, wenn es auch viel mehr und viel stärker in der Behandlung der Weltgeschichte zum Ausdruck kommt. In jedem deutschen Geschichtsjbuch steht die deutsche Geschichte und das deutsche Land im Mittelpunkte der Darstellung. Nicht anders haben die Franzosen ihr Frankreich, die Engländer ihr Britannien und gar die Moskowiter ehr Russland in den Mittelpunkt ihrer historischen Betrachtung gestellt. Wenn wir uns sogar davon frei machen können, von einem gerechteren Gesichtspunkte ausgehen und uns zu bemühen, die Weltgeschichte so darzustellen, dass die Juden nicht als der Betrachter zugleich der Mittelpunkt der Darstellung sein sollten, so müssen wir doch zu einer andern Behandlung der Weltgeschichte für unsere Schulen im Lande Israel gelangen, als das in den Lehrbüchern anderer Nationen der Fall ist. Wir können ebensowenig das deutsche Reich oder Preussen, wie England oder Frankreich zum Mittelpunkt der Geschichte machen, ohne ungerecht zu werden. Neben Europa wird von selbst der Orient als gleichberechtigt hervortreten und auch der ferne Osten wieder zu seinem Rechte kommen, zu dem er noch in keinem Geschichtsbuch europäischer Lehranstalten gelangt ist. Dass der Entstehung der Kultur lim Orient ein breiter Raum eingeräumt werden muss, hat nicht bloss seinen Grund in der orientalischen Herkunft der hebräischen 'Stamm ds,- und jüdischen Voüksgeschicfefte, sondern is£ ebenfalls nur eine Forderung historischer Wahrheitsliebe. Ueberhaupt wird der Grund alles Unterrichts und auch sein Zweck sein, der "Wahrheit und Gerechtigkeit Raum und Eingang zu schaffen. Denn das Grundwesen aller jüdischen Kultur, und wir wollen doch eiben jüdische .Kultur pflanzen, ist die Gerechtigkeit. Und alle unser© Lehrbücher müssen von diesem Eifer für die Wahrheit, von dek echtmosaischen und deshalb eben echtjüdischen Wahrheitsliebe durchdrungen sein. (Wird an anderer Stelle fortgesetzt werden.)