Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IV (1908)
- Issue
- 16 (25.12.1908)
- Date
- 1908-12-25
- Page
- Seite 126 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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126 LITERATUR BLATT No. 16 sie den meisten Hebraisten unbekannt sind, so ist es immerhin leichter, Sammlungen! technischer Ausdrücke zu schaffen als ganze Lehrbücher in einem neuen Geiste und für ein Ku'lturrnilieu, das wir erst zu schaffen beflissen sind. Für viele Fächer, die den exakten Wissenschaften und der Technologie angehören, wird es einstweilen ausreichend sein, unter den besten europäischen Lehrbüchern eine gute und sorgfältige Auswahl zu treffen und brauchbare Uebersetzungen anzufertigen. Da der Hilfsverein der Deutschen Juden sich einen wichtigen Platz errungen hat und auf dem Gebiete des palästinischen Schulwesens mit eine führende Rolle ergriffen hat, so werden in erster Linie deutsche Lehrbücher in Betracht kommen in Uebersetzungen und gewiss lange Zeit auch noch im Original. Aber schon auf dem Gebiete der Naturwissenschaften wird man nicht umhin können, eigene Lehrbücher einzuführen oder wenigstens die, eingeführten fremden Lehrbücher dem Landesbedürfnisse anzupassein. Man kann keine Botanik erfolgreich unterrichten, ohne auf den Bestand des Landes an einheimischer Flora und eingeführten Pflanzen volle Rücksicht zu nehmen. Man wird hier in den allermeisten Fällen für Jahre hinaus auskommen, wenn man eiinem guten deutschen Lehrbuche ein hebräisches Supplement gibt, dass die Besonderheiten der palästinischen Flora behandelt. Schwieriger liegt bereits der Fall mit der Wissenschaft, die . bei der modernen Systematik der Wissenschaften den Uebergang von den Naturzu den Geisteswissenschaften bildet, bei der Geographie. Denn wenn auch die allgemeine Geographie! darin überein stimmt, dass man keine anderen Erdteile und keine andere Lehre vom Bau der Erde für die verschiedenen Länder anzugeben hat, wenn auch der allgemeine Grundriss der gleiche bleibt, so muss doch ein erfolgreicher geographischer Unterricht von der Heimatkunde ausgehen und das Heimatland dauernd im Mittelpunkte des geographischen Bildes halten. Ein Geographiebuch, das auf der Höhe steht, hat daher irgend ein europäisches oder amerikanisches Land im Mittelpunkte seiner Darstellung. Das lässt sich durch ein hebräisch-palästinisches Suppilementheft schon viel schwieriger ergänzen. Immerhin ist es bei gutem Willen und einigem Geschick nicht unmöglich und gibt damit die Ueberleitung zu dem früher oder später doch entstehenden passenden originalen Geographiebuche. Die Karte mit hebräischen Namen kommt daneben viel weniger in Betracht und ist keineswegs für den ganzeil Atlas, sondern erst einmal für das biblische Palästina und dann für den vorderen Orient notwendig. Hier ist der historische Gesichtspunkt, der ja das Schiboleth der nationalen Anschauung ist, das Entscheidende. Das historische Moment ist es, das tm nationalen Judentum überhaupt zum Ausdruck kommt und in der Geschichte des eigenen Voleks, in dem Wiederaufnehmen des historischen Zu-