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Jüdische Rundschau · 1908-12-18 · 15 (18.12.1908) · p. Seite 121

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IV (1908)
Issue
15 (18.12.1908)
Date
1908-12-18
Page
Seite 121 (sequence 5)
Language
German
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No. 15 LITER ATURBLATT1 121 Russlands mit dem Aufsteigen in bessere wirtschaftliche Verhältnisse in Zusammenhang zu bringen, welche die Sitte des langen Stillens aber auch die Stillfähigkeit ungünstig beeinflussen. In einem ausführlichen Aufsatze (ZEITSCHRIFT FÜR SOZIALE MEDIZIN, Band III, 1. 2. 3. 4. Heft) kommt Dr. Agnes Bluhm, obwohl sie auszog, Bunges Theorie vom Einfluss des Alkoholismus auf die Stillfähigkeit zu widerlegen, zu dem Schluss, dass ein reichliches Drittel der deutschen Frauen körperlich unfähig ist, ausreichend zu stillen. Welche Auffassung richtig ist, das nachzuprüfen, halte ich auch für eine Aufgabe des sozialen Zionismus. Erst wenn die wahre Ursache gefunden ist, kann die geeignete Therapie vorgeschlagen werden. Eisen stadt. Literaturbericht Die Poesie des Alten Testaments,. Von Eduard König, ord. Prof, an der Universität Bonn. Leipzig: Quelle & Meyer 1907. (160 S.) 8. --- Wissenschaft und Bildung. Einzeldarstellungen aus allen Gebieten des Wissens. Hrsg, von Paul Herre. No. 11. Preis geh. 1 Mk., geb. 1,25 Mk. Es ist keine Frage, dass König ein vorzüglicher Kenner der hebräischen Sprache und Stilistik ist. Es ist dabei bedauerlich, dass ihm der poetische Sinn und die entsprechende Form fehlen. Bei aller exakten grammatischen Abstraktion von dem reichen ihm zu Gebote stehenden Material fehlt ihm jedes Verständnis für die Poesie der von ihm behandelten Literatur. Er, der Kenner der hebräischen Stilistik, ist kein deutscher Stilist und es ist bedauerlich, dass er die Poesie der Bibel populär darstelleit will, denn ihm fehlt so jede Form der Poesie, dass er durch seine gutgemeinte Darstellung'und ganz besonders durch seine Versuche, hebräische- Lieder in gehobener deutscher Sprache wiederzugeben, den Lesern einen falschen Begriff barbarischen Schrifttums geben wird. Das ist sehr bedauerlich, denn wenn die sprachliche Schwäche nicht wäre, würde seine Darstellung eine recht gute sein. Freilich liebt er Bilder und diese Bilder wirken keineswegs poetisch. E --- tn. Neutestamentliche Zeitgeschichte von Lic. Dr. W, Staerk, Privatdozent in Jena. Band 1 und 2. Leipzig: Göschen 1907. 1. Der historische und kulturgeschichtliche Hintergrund des Urchristentums. Mit drei Karten. 2. Die Religion des Judentums im Zeitalter des Hellenismus der Römerherrschaft. Mit einer Planskizze. (Sammlung Göschen 325 und 326.) Der Autor hat mit Recht seine beiden Büchlein „Neutestamentliche Zeitgeschichte1' genannt, denn der Masstab seiner Beurteilung ist das neue Testament. Denn auch die Geschichte des Judentums bekommt in der sehr geschickt zusammengestellten kleinen Schrift nur das Bild, das man dann erhält, wenn die jüdischen Quellen ganz hinter die noch nicht ganz unvoreingenommenen neutestamentlichen zurücktreten. Aeusserlich prägt sich das in griechischen Namensformen aus, die aus irgendwelchem Grunde doch zuweilen mit solchen wie Sadokim und Chasidim wechseln. Wenn der Autor „von der Tyrannei der Gesetzeskasuistik“ spricht, „neben der das Bewusstsein von der Einheit des religiös-sittlichen Lebens in dem in Gott -gebundenen Gewissen noch nicht ganz erstorben w a r“, so zeugt diese Geringschätzung des mischnisch-talmudischen Judentums von seiner völligen Unkenntnis. Nicht die einzelnen Aussprüche sind es, die der Pharisäer Rechtfertigung sind, sondern die grossen Gedanken ihres 'kühnen ffiesetzesbaues auf der grossen ethischen Grundlage des von Ge-,

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