Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IV (1908)
- Issue
- 15 (18.12.1908)
- Date
- 1908-12-18
- Page
- Seite 120 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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120 LITERATURBLATT No. 15 Beachtung: finden und nicht blbss in ihrem nachexilischen Teile. Seine Schrift gegen Apion, die der Apologie des Judentums dient, und die den Verräter bei dter Abwehr des durch die alexandrinischen Assiimilationsversuche erwachsenen griechischenAntisemitismus zeigt, ist als Kultur- und Zeitdokument von hohem Interesse. Am wichtigsten aber sollte für jeden, der den Charakter des Josephus ails Mensch und Schriftsteller beurteilen will, dessen eigene Lebensbeschreibung sein, die ja nur seiner Rechtfertigung und zugleich seiner masslosen Eitelkeit dienen soll. Ein sonderbares Gemisch eiines Charakters ergibt s:ch uns da. Ein Mann, dessen vielen schlechten Eigenschaften ein klein wenig Idealismus beigemengt ist, dessen er sich mit überlegener Klugheit und Gerissenheit bedient, um als der hohe Idealist zu gelten, der noch bis auf den heutigen Tag schwachen und kraftlosen Charakteren weisszumachen versteht, dass er ein manchmal vielleicht etwas unzuverlässiger, aber immerhin ein Patriot und em anständiger Mensch sei. Und doch glauben wir verlangen zu dürfen, dass jeder, der Interesse an der jüdischen Vergangenheit hat, weil er eline Zukunft des Judentums wünscht, nicht achtlos an ihm vorübergehen sollte, sondern durch seine zum Teil meisterhaften Schilderungen sich in die Zeit versetzen lässt, in denen ein Josephus lebte und seines Volkes, das er verriet, Geschichte im Hause des siegreichen Feindes zu dessen höherem Ruhme und um ihm zu schmeicheln schrieb. Den Josephus musst du lesen! Das ist der Wunsch* d'en wiir bei Erscheinen der vortrefflichen Clementzschen Ufebersetzung an unsere Freunde richten. Heinrich L o e w e. Zur Militärtauglichkeit der Juden ' Wir müssen Herrn D r. Elias Auerbach sehr dankbar sein, dass er für die erhebliche Differenz zwischen der Militärtauglichkeit der Juden und Nichtjuden in Deutschland eine Erklärung aufgestellt hat, welche uns plausibel erscheint. I c h habe in einer demnächst herauskommjenden Arbeit „Die Sozialpathologie der Juden und ihre Lehren“ die Vermutung ausgesprochen, dass hier die Bevorzugung der höheren Schulen in Gressstädten ursächlich in Betracht kommt, wodurch die körperliche Entwicklung im Gegensätze zum Besuche der Volksschulen zurückbleibt. Es gibt aber noch einen dritten Erklärungsversuch, der ganz besonders Beachtung verdient. Nach einer Theorie, welche meines Wissens zuerst Dr. med. R o e s e in einer Arbeit über „D i e W 4 c h t i g k e i t der M u 11 e r b r u s t für die körperliche und geistige Entwicklung des Mensche n“ vertreten hat, hängt die Militärtauglichkeit vom ausreichenden Stillen der Säuglinge ab. Hiernach wäre also ein Zurückbleiben der deutschen Juden gegenüber den Juden Österreich-Ungarns und