Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IV (1908)
- Issue
- 15 (18.12.1908)
- Date
- 1908-12-18
- Page
- Seite 119 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 15 LITERATURBLATT 119 dass sie; immer die Hauptquelle für den letzten jüdischen Krieg bleiben muss, macht uns die Darstellung des Josephus wertvoll. Wenn er freilich von seiner Geschichte des jüdischen Volkes, seinen Altertümern, behauptet, dass dies ein Werk sei, das trotz aller Müh;e. weder von Juden noch Ereimden erreicht sei oder erreicht werden könnte, so beweist das eben nur, dass seine Eitelkeit und seine Selbstgefälligkeit später von der Klugheit verlassen wurden, die sonst bei ihm Geriebenheit und Gerissenheit, Rücksichtslosigkeit und Gewissenlosigkeit war und ihn den bescheidenen, immer nur unschuldig verfolgten Friedensmann spielen lieiss. In Wahrheit war es dieser Friedensmann, der ebenso sein Volk verriet, wie er durch einen gewissenlosen Betrug, dessen er selbst sich rühmt, seine Mitkämpfer dem Tode überantwortete, um sein für die Menschheit oder wenigstens für ihn so wertvolles Leben zu retten. Josephus, der mit seinem grossen Stilgefühl und seiner allgemeinen Bildung auch;, was nicht immer der Fall ist, ein grosses jüdisches Wissen verband, wäre gewiss der geeignetste Mann gewesen, die Geschichte seiner Zeit zu schreiben, wenn er nur zugleich ein ganz klein wenig wahrheitsliebend gewesen wäre. Die kleine Eitelkeit, dass er durchaus königlich-jüdischer Abkunft sein wollte, und sich seine Verwandtschaft mit den Makkabäern zusammenkonstriiierte, können wir ihm ruhig vergeben, mit Rücksicht aut die gleiche Eitelkeit ähnlicher Charaktere, die den gleichen Anspruch ohne Leistlingen erheben. Aber immer und immer wieder muss man sich bei seiner Darstellung des Jüdischen Krieges fragen, wie weit ihm zu, trauen ' ist, ganz abgesehen von offenen Widersprüchen, d:e zwischen diesem Werke und der .Darstellung in seiner Selbstbiographie klaffen. Wenn aber seim Werk mit jener Vorsicht zu gemessen ist, die durch seuie Ruhmredigkeit, Eitelkeit, Selbstgefälligkeit und Unwahrhaftigkeit «-bedingt.-vikd,..so .muss man doch jedem Juden, der in die Geschichte seines Volkes etwas tiefer »eindr-ngen will, Zurufen : „D v n .1 o s e p h u s m usst du lese n!“ Gewiss wird von den meisten nicht einmal die erste und selbstverständliche Hauptpflicht eines seines Volkstums sich bewussten Juden erfüllt, die Bibel zu keimen, aber die Auserwählten, die sxh in die Schätze dieses nationalen Schatzes vertieft haben, sollten auch die Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, die :hnen die deutsche Uebersetzung des Josephus bietet. Es ist selbstverständlich, dass der Jüdische Krieg mit seinen zum Teil meisterhaften, zum Teil tendenziös entstellten und verzerrten Darstellungen am meisten an zieht. Aber die Altertümer (Archaiologia), die die Geschichte der Juden bis zum Ausbruch des Aufstandes gegen Gessitis Elorus darstellen, sollten ebensolche