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Jüdische Rundschau · 1908-12-18 · 15 (18.12.1908) · p. Seite 118

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IV (1908)
Issue
15 (18.12.1908)
Date
1908-12-18
Page
Seite 118 (sequence 2)
Language
German
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118 No. 15 LITERATURBLATT Dr. Heinrich Clementz*) nach rühmen, dass gerade sie fn stilistischer Hinsicht viele ihrer Vorgängerinnen und Mitbewerberinnen weit übertrifft, ohne darum d'e Treue im Wortlaut zu verfassen. Josephus, dessen eigentlicher Name Joseph ben Matthija war, gehörte sicher einer reichen Familie, wenn man seinen eigenen Worten glauben darf, sogar einer vornehmen Familie an. Aber er selbst war alles andere als vornehm. Fr war ein ganz gerissener politischer Intrigant, der meisterhaft den entrüsteten Patrioten und später den loyalen römischen Kaiserdiener zu spielen verstand. Er war die Wetterfahne, die genau angab, wo die Mehrheit oder wenigstens die grössere Wahrscheinlichkeit äusseren Erfolges zu suchen war. Und er hat sich seifen darin geirrt. Aber er war mehr als ein Stilist, der schöne Worte machte, um über Sachen zu schreiben, die fhm unbekannt waren. Er stand wirklich auf der Höhe der Bildung seiner Zeit und hätte, was man von manchem modernen Nachfahren, der ebenfalls über einen eleganten Stil und andere Josephische Eigenschaften verfügt, nicht sagen kann, elin vortreffliches Wissen vom Judentum. Dass er von den Führern der Regierung der nationalen Verteidigung dazu ausersehen wurde, den wuchtigen galiläischen Feldherrnposten einzunehmen, beweist nur, dass der geschmeidige junge Mann sich als mehr geben konnte, als er war. Man hielt ihn für gewissenhaft und das war er nicht. Er galt für einen Patrioten, und er war nur ehrgeizig. Man hielt ihn für friedfertig, wed er konziliant sein konnte, wo es ihm passte, und er war nur rachsüchtig. Kurzum, er war das schlechte Element in der national-jüdischen Bewegung, die am Ausgange des jüdischen Staatslebens steht. Aber da er infolge seines Verrateis, der erst offenbar wurde, als er bereits gewirkt hatte, die ehrlichen und selbstlosen Kampfer des nationalen Befreiungsversuches überlebte, so wurde er der Darsteller der Geschichte, die er als Feldherr und Ueberläufer mitgemacht hatte, und schrieb im Zelte das feindlichen Imperators die Geschichte, die uns jetzt als Quelle dient. Schon um des Umstandes willen, dass sie die einzige umfassende Quelle für ganze Perioden der jüdischen Geschichte ist, *) Des Elavius Josephus Jüdische Altertümer. Uebersetzt und mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Dr. Heinrich Clementz. Band 1 (Euch 1 -10) Band 2 (Buch 11—20). Elavius Josephus, Geschichte des Jüdischen Krieges. Uebersetzt und mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Dr. Heinrich Clementz. Mit ausführlichem Namenregister und 2 von F. Spiess gezeichneten Tafeln. Des- Elavius Josephus kleinere Schriften (Selbstbiographie - Gegen Apjon — lieber die Makkabäer). Uebersetzt und mit Anmerkungen versehen von Dr. Heinrich Clementz. Sämtliche drei Werke, die zusammen die sämtlichen uns überlieferten Werke des Josephus in deutscher Sprache umfassen, sind bei Otto Hendel in Halle erschienen.

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