Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IV (1908)
- Issue
- 14 (11.12.1908)
- Date
- 1908-12-11
- Page
- Seite 112 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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H2 LITERATURBLATT No. 14 Stamm im heimatlichen Boden Wurzel schlagen und von neuem grünen und blühem soll, so darf diese begeisterte Jugend nicht vergessen zu den Quellen des ganzen Judentums, zur Bibel zurückzukehren. Das ist nicht religiös, das ist national, das ist kulturell. Hier allein kommt das nationalle Wesen des Volkes in seiner Reinheit zürn Ausdruck. Aber .leider haben wir bisher keine Ausgabe der Bibel gehabt, die eine neue Jugend heranziehen könnte. Die Lutherische Lieber- Setzung'ist ungenau .und .geht von dogmatischen Voraussetzungen und Vorurteilen aus. Sonst wäre ihre grandiose Sprache am ehesten imstande den Mangel des hebräischen Originals zu ersetzen. Aber auf lange Zeit müssen wir ja noch immer mit den Uebersetzungen rechneti. Uns'ere Zunzsche Bibelübertragung hält sich nach Möglichkeit an den strengen Wortsinn, ist aber in manchen Teilen so ganz und gar nicht auf der Höhe des sprachlichen Könnens, dass reichlich der grösste Teil der herrlichen Form verloren geht, d’o das Original so auszeichnet, dass sie die ungewandten und mit dem Hebräischem nicht genügend vertrauten Forscher dort griechische Metrik u,nd Strophen vermuten lässt, wo eine wilde und-grossartige Rythmik einfach aus der gewaltigen Diktion sich ungewollt ergibt. Die illustrierten Bibeln, die wir haben, sind wie die Lutherische Uebersetzung theologisch und führen vom Verständnis der Bibel oft eher fort als zu ihm hin. In diese Lücke soll ein Werk einspringen, dessen erste Lieferungen bereits vorliegen, und das von seinen Autoren als eine Klassikerausgabe der Bibel gedacht ist. Im Verlage der Westerrnannschen Buchhandlung in Braunschweig erscheint soeben der erste Teil des Buches der Bücher „Die Bücher der Bibel, herausgegeben von F. Rahlwes, mit Zeichnungen von E. M. Lilien.“ Es war ein glänzender Griff der Verlagsbuchhandlung, den Maler herauszugreifen, der wie kein zweiter den Geist der Bibel erfasst und sein Vollhebräertum in einer Reihe von grossartigen Zeichnungen bereits erwiesen hat. Lilien ist am allermeisten dazu geeignet, der Bibel die neue Buchkunst zu erschliiessen und diese dem Geiste dienstbar zu machen, der aus den alten Blättern uns entgegenweht. Denn Lil.iens Geist ist hebräisches Empfinden und seine Kunst fusst auf dem biblischen Kulturbau, von dessen Grösse und Grossartigkeit all1 sein Schaffen durchdrungen ist. Ist doch sein ganzes Wesen, seine ganze Eigenart erst begreiflich, wenn man we.iss, wie tief und wie nachhaltig die Bibel und die von ihr ausgehende jüdische Kultur auf ihn gewirkt hat und in ihm liebend',g geworden ist. Gleich die Titelblätter zeigen -in ihrer einfachen Schönheit das Können des Mefste'rs. Da ist zuerst der Haupttitel des ganzen Werkes mit dem siebenarmigen Leuchter, dem Lieblingssymbol des Künstlers, dann der Kupfertitel des ersten Bandes, ddr mit