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Jüdische Rundschau · 1908-11-20 · 13 (20.11.1908) · p. Seite 104

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IV (1908)
Issue
13 (20.11.1908)
Date
1908-11-20
Page
Seite 104 (sequence 4)
Language
German
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104 LITERATÜRBLATT No. 13 II. Die Anmerkung, die Herr Dr. Eisenstadt zu meiner Arbeit über die „Sterblichkeit der Juden in Budapest“ inbezug auf die Kindersterblichkeit macht, steht nicht im Gegensatz zu dem, was ich geschrieben habe. Es ist möglich, dass bei den Juden in Budapest das Stillen weiter verbreitet ist als bei der übrigen Bevölkerung und zu der geringeren Sterblichkeit der jüdischen Kinder beiträgt.. Es ist möglich, aber wir wissen es nicht Deshalb habe ich die Gesamtheit dieser Faktoren unter dier allgemeinen Bezeichnung’ der „elterlichen Fürsorge“ zusammengefasst. Dazu gehört auch das Stillen. Ob es aber, wie Dr. Eisenstadt meint, der allein wirksame Faktor ist, erscheint grade durch die geringe Beeinflussung der Sterblichkeit an angeborener Lebensschwäche bei den Juden nicht wahrscheinlich. Im übrigen stimme ich natürlich mit Herrn Dr. E. in der Propaganda für das Selbststillen der Mütter überein. Aehnliches habe ich Herrn L i c li t w i t z auf seinen Einwand zu erwidern. Sicher spielt der Alkohol bei den Juden Budapests eine geringere Rolle als bei den Nichtjuden —- das habe ich selbst auch ausgeführt. Der Einfluss dieser Tatsache auf die Kindersterblichkeit ist: aber hier nicht statistisch zu verfolgen. Und ich habe mich vor allem bemüht, an Stolle der immer wieder kursierenden „Vermutungen“ eine strenge Methodik zu setzen. — Die sehr geringe Kindersterblichkeit der Juden in New York besagt garnichts, weil die neu eingewanderten Juden sehr wenig kleine Kinder unter sich h a b en.. - - Endlich, nebenbei bemerkt, ist auch die Frage „Alkohol und Stillfälligkeit“ trotz Bunge's Arbeiten neuerdings wieder sehr strittig. Dr. Elias Auerbach. Literaturbericht Das heutige Palästina. Ein Reisebericht aus dem Frühjahr 1907- Von Jean Fischer. Verlag der „Hatikwah“, Antwerpen. 122 S. 8°.: Das Büchlein Jean Fischer's. des wackeren belgischen Zionisten, gibt sich als ungekünstelter, schlichter Bericht einer Palästiuareise. Der Verfasser wollte kein gelehrtes Handbuch über Palästina schreiben, und er wollte kein Orient-Feuilleton liefern. Sondern als Zionist ging er hinüber, um statt des endlosen Für und Wider der hundert Meinungen, die man hier von „Kennern des Landes“ zu hören bekommt, mit eigenen Augen zu sehen und mit eigenen Ohren zu hören. Und was er gesehen und gehört hat. das erzählt er uns. Man sieht dem Bericht an, dass er getreu nach einem sorgfältig geführten Tagebuch gearbeitet ist. So zieht Palästina in losen Bildern an uns vorüber, ganz so, wie man es eben als Reisender sieht. Persönliche Erlebnisse durchflechten sich mit dem sachlich interessierten Bericht über wirtschaftliche Einrichtungen, und überall lugt die Reflexion hindurch, die au den Gegensätzen von einst und heut, von Europa und Vorderasien, von Juden und Eingeborenen unendliche Nahrung findet. Mag vielleicht auch für den, der sich über Palästina unterrichten will, es nicht ganz leicht sein, sich ein einheitliches Bild hieraus zu formen, so wird doch die Ehrlichkeit, mit der hier berichtet wird, ihren Eindruck nicht verfehlen; und in späteren Tagen wird Jean Fischer’s Tagebuch einer Palästiriareise aus dem Jahre 1907 wertvoll sein, indem es zeigt, wie ein Zionist das Land in dieser Zeit vorfand und was er von ihm hoffen konnte. Das Urteil, das sich Eischer gebildet hat. können wir nicht besser wiedergeben als mit seinen eigenen Worten; „Und Zion wird erbaut werden. Wenn wir es nicht tun, dann, werden Andere die Arbeit verrichten. Das Land wild denjenigen gehören, die Einkommen werden, um es zu besetzen

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