Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IV (1908)
- Issue
- 13 (20.11.1908)
- Date
- 1908-11-20
- Page
- Seite 102 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/8295971-4781796-8238410--752-8190361- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
102 LITERATURBLATT No. 13 damentierung zu arbeiten, nicht als Bauleiter, sondern als Handlanger. Der Baumeister wird schon seinen Kunstbau ausführen können, wenn wir erst den Grund geebnet und gefestigt haben. Als Vorbereitung der grossen Arbeit muss die Kleinarbeit vorangehen. Diese Kleinarbeit kann und muss bereits im Sinne der zukünftigen grösseren Arbeit vorgenommen werden. Dass dies auf wirtschaftlichem Gebiete geschieht, ist das grosse Verdienst unserer Kolonisten und nricht minder unserer wissenschaftlichen Kommissionen, denen wir seit Jahren die theoretische Seite des Kolomisationswerks anvertraut haben, und die uns die Schaffung des wirtschaftlichen Palästinaamts ermöglicht haben. Weit mehr aber kann auf kulturellem Gebiete schon heute geschehen, und wann es nicht von nationaler jüdischer Seite aus geschieht, so wird es von anderer Seite geschehen, die weniger Interesse und Verständnis für die stammestümliche Zukunft der jüdischen Nation hat. Immerhin ist die Entwicklung des Hilfsvereins der Deutschen Juden, dessen Tätigkeit in Palästina sich immer mehr unserer Art der Arbeit nähert, ein deutlicher Beweis, dass die Entwicklung der Dinge in die Bahnen ' drängt, in denen wir seit einem Menschenalter im Judentume tät;g sind. Ein Vergleich seiner Schulen mit denen der Alliance. Israelite Universelle, die in ihren ausgefahrenen Gleisen weiter gehen, zeigt, wiife die jiingejre Organisation in der Praxis in vicll engerem Konnex mit dem alten und neu sich entfaltenden Stammestume steht. Die Schule ist heute die wichtigste Seite unseres Tätigkeitsgebiets im Lande Israel. Während auf allen andern Gebiete,n sich Hindernisse, die in der Natur des Landes und der Entwicklung des vorderen Orients liegen, uns in den Weg stelllen, deren wir nur allmählich Herr werden können, haben wir die Möglichkeit auf dem Gebiete der Volkserziehung schon heute alle; Kräfte zu regen. Im Gegenteil, fehlt es uns an Kräften, die sich auf diesem so fruchtbaren Gebiete betätigen würden. Immerhin ist bereits in ‘ den letzten Jahren der Grund zu segensreicher Entwicklung auf diesem Gebiete gelegt worden. Den Anfang auf diesem Gebiete bildete die Gründung der Lämelschule, der die Institutionen der Alliance erst nach einem längeren Zeiträume folgten. Heute ist auf dem Unterbau der Lämelschule bereits das vom Hilfsvereän gegründete Lehrerseminar errichtet, das gewiss noch nicht dem Ideal entspricht, das seine Gründer sich vorgezerchnet haben, das aber nach Berichten die Dr. Schmarjah Lewin auf dem letzten Zionistenkongress und Dr. Josef Carlebach in der Jüdischen Rundschau gegeben haben, sich in einer durchaus erfreulichen Entwicklung befinden, die man auch dann freudig anerkennen muss, wenn man in den Wein der beiden von der Schule so ausserordentlich Begeisterten Wasser der Ernüchterung giesst. Nicht minder erfreulich ist die