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Jüdische Rundschau · 1908-11-06 · 12 (6.11.1908) · p. Seite 100

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IV (1908)
Issue
12 (6.11.1908)
Date
1908-11-06
Page
Seite 100 (sequence 12)
Language
German
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100 LITERATURBLATT No. 12 ich auf Grund falscher Information auch die Nachkommen Dr. Sterns und S i m i o n s als getauft bezeichnet. Zu meiner Freude kann ich nunmehr mitteilen, dass dies auf Irrtum beruht und dass das G eg enteil der Fall ist. Dr. rf e i n r i c hi Lo e w e. Mannheim. Anlässlich des 200־ jährigen Jubiläums der hiesigen orthodoxen Gemeinde wird in einer Fest- Schrift, welche den derzeitigen Rabbiner Dr. Unna zum Verfasser hat, die Erinnerung wachgerufen an die Umstände, unter welchen die jüdische Gemeinde Mannheim ihre 1. Synagoge sich gründete. Als 1689 die Franzosen Mannheim zerstörten, da fielen auch die wenigen Judenhäuser zum Opfer und ihre Besitzer flohen nach den verschiedensten Riehtungen. Als man aber in den folgenden Jahren daran ging, die Vaterstadt wieder aufzubauen, da kehrten auch einige von ihnen wieder zurück. Schon zwei Jahre darauf, 1691, wurde ihnen die .Wohnungskonzession verliehen, welche 1698 der damalige Kurfürst Johann Wilhelm dahin ergänzte, dass statt der bislang zugelassenen 14 Familien deren 150 in Mannheim wohnen durften. Nichtsdestoweniger blieben sie den bekannten Be- Schränkungen unterworfen, von denen nur die Hof- und Milizfaktoren eine Ausnahme machten, denn diese waren die Juden, welche in des Kurfürsten eigenem. Dienst als Händler und Wechsler standen. Zu diesen zählte auch Lemle Moses, genannt Reinganum, weil er aus dem nahen pfälzischen Orte Rheingonnheim stammte. Er ist der Stifter* der hiesigen orthodoxen Gemeinde, welche nach ihm noch heute Lemle Moses Klausstiftung heisst. Er kam ungefähr 1670 aus seinem Geburtsorte nach Mannheim, flüchtete 1689 bei der oben erwähnten Zerstörung nach Heidelberg, kehrte aber bald wieder zurück, 1697 veranlasste er als Vor- Steher der Mannheimer Judenschaft, dass an die noch in verschiedenen Orten zerstreut lebenden Juden die Aufforderung zur Rückkehr gerichtet \vurde. Beim Kurfürsten stand er in ausserordentlichem Ansehen, so treffen wir ihn 1703 in Wien, wo er die jährliehen Subsidien von 400 000 Gulden in Empfang zu nehmen hatte, die damals an die Kurpfalz gezahlt wurden. Ein dauerndes Andenken hat sich Lemle Moses durch seine Stiftung gesichert. Seine Ehe war kinderlos geblieben und dieser Umstand mag beigetragen haben zu dem Gedanken, eine Stätte zur Pflege des Thora- Studiums für alle Zeiten zu schaffen, eine Jeschibhah zur Verbreitung des Thorawissens, ein grosses Beth- Hamidrasch. Die Gelegenheit dazu bot sich bald. Gegen den damaligen Rabbiner David Ulf sowie gegen die Vorsteher der Gemeinde war eine Anklage erhoben worden, deren Gegenstand noch heute unbekannt ist, Lemle Moses ■verwendete seinen Einfluss zugunsten der Bedrohten und versprach dabei dem Kurfürsten Johann Wilheim, auf seine Kosten eine Klaus bauen zu lassen. Diesem war dies sehr recht, denn er erhielt dadurch ein schön Stück Geld für die Konzessionserteilung. Ausserdem erwartete er mit Recht eine Mehrung der städtischen Einnahmen durch die in grosser Zahl nach Mannheim ziehenden Juden. Die Konzession wurde am 31._Januar 1706 erteilt. Es wurde darin bestimmt, dass in der von dem Oberhof-Milizfaktoren Lemle Moses zu erbauenden Klaus die ״Lehr- und Schulexerzitien“ frei und ungehindert gehalten werden sollten. Der Rabbiner und die ganze Gemeinde sollten über diese Klause nichts zu «disponieren und anzulegen“ haben. Die sechs bis zehn Rabbinerfamilien, die in der Klause wohnen würden, sollten nicht unter die Zahl der 200 in Mannheim zugelassenen Judenfamilien rechnen und die Ein- und Absetzung der Rabbiner sollte den Gründern der Klaus und ihren Nachkommen allein Vorbehalten bleiben. Im September 1708 wurde, die neu errichtete Synagoge mit grosser Feierlichkeit eingeweiht und die Klaus ihrer Bestimmung übergeben. Der 200 jährigen Wiederkehr dieses für die Geschichte der Mannheimer Juden denkwürdigen Ereignisses soll demnächst in einer grösseren Festlichkeit gedacht werden.

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