Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IV (1908)
- Issue
- 12 (6.11.1908)
- Date
- 1908-11-06
- Page
- Seite 98 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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98 LITERATURBLATT No. 12 ־vielleicht etwas vorsichtiger ausgednickt. hn Lande der Propheten scheint man aber nicht auf dem Standpunkte der Diplomaten zu stehen, dass die Sprache nur dazu da ist, um seine Gedanken zu verbergen. Ich hätte am liebsten gar nicht auf Dr. Gasters Angriffe geantwortet, zumal es in den Gelehrtenkreisen, in denen ich aufgewachsen bin und in denen ich meine wissenschaftliche Ausbildung erhalten habe‘ es nicht Usus ist, dass man Andere so beschimpft, wie es Dr. Gaster tut. ,Wenn man aber von einem Manne, dem ein solches Amt anvertraut ist, wie es Dr. Gaster innehat, in der Weise in der TIMES zugerichtet wird, wie ich und Herr Yellin. so muss man sich schon seiner Haut wehren. Ich hätte das von Dr. Gaster nie erwartet und die Art, wie ich ihn behandelt habe, beweist, dass ich ihn eines solchen Vorgehens nicht für fähig gehalten habe. Um so beschämter bin ich nun darüber, dass ich mich in der Pe.son des Dr. Gaster so arg getäuscht habe und um so grösser ist meine Indignation über seinen unverantwortlichen Angriff gegen mich. Gerade ein Mann von Dr. Gasters Stellung müsste mehr Verantwortlichkeitsgefiihl haben, mehr Massigung zeigen und mehr Korrektheit, ja mehr Korrektheit! In ähnlichen Hallen von schweren Beleidigungen, wie sie mir von Dr. Gaster zugefügt worden sind, pflegt man an den Strafrichter zu appellieren. Ich will es nicht tun; der samaritanische Josua soll nicht n-ceh einmal Gegenstand einer unwürdigen Sensation sein. Ich will es den I.esern überlassen, zu urteilen, ob Dr. Gaster zu seinem Angriffe berechtigt war. In der Sache selbst haben schon die Gelehrten das letzte Wort gesprochen, nur Dr. Gaster nicht; Murdschan kann und darf nicht der Vater des samaritanische!! Josua sein, trotzdem er es selbst zugibt. Warum nicht?La recherche de 1 a parternite e s t i n t e r d i t e. ■Für die ganze Welt ist der samaritanische Josua eine Missgeburt aus dem 20. Jahrhundert n. Chr.; für Dr. Gaster aber eine Pflegekind aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. ln der Tat ein sehr kostbares Kind. Vivat crescat florcat! Ich hoffe ernstlich, dass ich nicht etwa durch einen neuen Überfall Dr. Gasters in meinen Arbeiten gestört werde. Ich habe wahrhaftig viel wichtigere Dinge zu tun. als mich gegen Angriffe zu verteidigen, die ich nicht, verdient habe. Dr. A. S. Yahuda, Berlin. Zur Frage der verminderten Kindersterblichkeit der Juden Zu der in No. 44 der JÜDISCHEN RUNDSCHAU besprochenen Arbeit des Herrn Kollegen Auerbach über, die Sterblichkeit der Juden in Budapest (1901—1905) (ZEITSCHRIFT FÜR DEMO- GRAPHIE UND STATISTIK DER JUDEN 1908 No. 10) erlaube ich mir eine Bemerkung': Herr Dr. Auerbach führt die geringere Kindersterblichkeit der Juden in Budapest auf die gesteigerte elterliche und ärztliche Fürsorge zurück. Indessen meine ich, es kommt hier auch das bei den diortigen Juden weit verbreitete Stille n der Säuglinge als Ursache in Betracht. Bekanntlich wird jetzt der Einfluss der. Ernährungsart auf die Säuglings- Sterblichkeit von den Kinderärzten als feststehende Tatsache angesehen.. So fand, um nur einen Beweis hier anzuführen, Prof. H. Neu mann, bei Ausschluss der Toten der ersten Lebenstage: Es starben in Berlin 1906 in der proletar. Bevölkerung von 100 Brustkindern 4,9, von 100 Flaschenkindern 22,9; bei den Wohlhabenden von 100 Brustkindern 2,6, bei 100 Flaschenkindern 10,3. Wenn nun Auerbach für Budapest fand, dass von 100 gestorbenen Kindern im Alter, von 0- 2 Jahren an Darmkatarrh starben