Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IV (1908)
- Issue
- 12 (6.11.1908)
- Date
- 1908-11-06
- Page
- Seite 97 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 12 LITERATURBLATT 97 und höchstwahrscheinlich dasselbe Exemplar, das die Samaritaner einige Jahre vorher vom erwähnten M a r s h a 11 erhalten hatten, da er ihn zu jenen Büchern der Propheten der Juden rechnet die die Samaritaner eben n i c h t lesen. Sonst konnte man es gar nicht begreifen:״ wie sich der Hohepriester so abfällig über das Josua-Buch äussern konnte. Drs. Gaster möchte den Anschein erwecken, als hätten wir beide, ich und Herr ״Yellin (״Onkel und Neffe“, sagt Dr., Qaster), gegen ihn eine Verschwörung angezettelt, um ihn seines Ruhmes, wegen einer grossartigen Entdieckung, zu berauben. In Wirklichkeit schien uns beiden, ganz unabhängig von einander, die Feststellung der Wahrheit in dieser Frage viel wichtiger, als eine Verschwörung gegen Dr. Gasten. Dr. Qaster möge sich also nach, dieser Richtung hin ganz und gar beruhigen! Den Ruhm hätte ich ihm von Herzen gegönnt. Es geniert mich auch jetzt nicht, und Herrn Yellin wahrscheinlich auch nicht, dass die Nachricht von der ״grossartigen Entdeckung“ Dr. Gasterls nunmehr in den amerikanischen Zeitungen die Runde macht. Der geradezu unsinnige Reklameartikel des WORLD MAGAZINE ist in unzähligen Zeitungen ganz oder auszugsweise abgedruckt worden und steht in jedem Käseblättchen zu lesen. Ich denke, das ist Ruhm genug für einen grossen Entdecker, Ich glaube gerne, dass die Feststellung der Unechtheit des samaritanisehen Josua für Dr. Qaster sehr peinlich ist, und wie aus seinem Artikel in der TIMES ersichtlich, muss er auch sehr ärgerlich darüber sein. Ich möchte aber Dr. Qaster nicht darüber belehren, wie man sich in solchen Fällen zu verhalten hat. Im übrigen erklärt er ia noch jetzt ganz feierlich, dass ■er spine Entdeckung für echt halte, sie werde nur jetzt nicht anerbannt. Möge er sich doch mit der Zukunft trösten! Das jetzige Geschlecht ist nicht weitsichtig genug', um die neueste ,.Entdeckung“ Dr. Gasters voll und ganz zu würdigen. Nur Dr. Qaster allein versteht ihren wahren Wert. Welch erhebendes Bewusstsein! Es dürfte keinen zweiten Menschen in Europa geben, der mit solcher Zuversicht in die Zukunft blicklen kann, wie Dr. Gaster. Ich will es unterlassen, auf weitere Einzelheiten in Dr. Gaslters Artikel einzugehen. Auch unterlasse ich die Verteidigung des Herrn Yellin gegen Dr. Gasters Beschuldigungen. Wir beide sind, bis jetzt in unserer ■wissenschaftlichen Ermittelung über den samaritanischen Josua unabhängig von einander vorgegangen — trotzdem wir miteinander verwandt sind, wenn auch nicht in dem Grade, wie Dr. Gasten glaubt. Ich! ziehe es also vor, dass wir auch jetzt unabhängig von einander unsere Sache gegen Dr. Gaster führen. Ich will nur bemerken, dass Herr Yellin nicht eine so unbekannte Persönlichkeit ist, und dass in denjenigen gelehrten und gesellschaftlichen Kreisen in England und Deutschland, in dienen Herr Yellin als Mensch und als Gelehrter hoch geschätzt wird, die Angriffe Dr. Gasters gegen ihn nur mit grosser Indignation aufgenommen werden dürften. Allerdings hat Herr Yellin ein hartes Wort gesprochen, indem er sagte, dass nur die Sensationssucht Dr. Gaster dazu getrieben hätte, in einem ganz modernen Machwerke etwas zu entdecken, was die Samaritaner selbst niemals gewusst haben, niemals behauptet haben auch Dr. Gaster gegenüber nicht. Und letztere Angabe muss wohl richtig sein, da 0.י. Gaster in der TIMES selbst erzählt, dass der Hohejjrjester Jacub ihm vor einiger Zeit .schrieb, er habe selbst das Buch aus dem Arabischen übersetzt. Übrigens steht Herr Yellin nicht allein in seiner Beurteilung Dr. Gasters da. Wäre Dr. Gaster nach Kopenhagen gekommen, so hätte er Gelegenheit gehabt, aus Gesprächen der Kongressisten unter sich, zu ersehen, dass die Ansicht des Herrn Yellin gerade in fachmännischen Kreisen ziemlich verbreitet war. Es ist eben etwas Ungewöhnliches, dass man wissenschaftliche Entdeckungen mit solchem Lärm in die Welt hineinschreit. Herr Yellin hat es nur zu deutlich ausgesprochen: ein anderer hätte sich