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Jüdische Rundschau · 1908-11-06 · 12 (6.11.1908) · p. Seite 96

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IV (1908)
Issue
12 (6.11.1908)
Date
1908-11-06
Page
Seite 96 (sequence 8)
Language
German
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96 LITERATURBLATT No. 21 unter den Büchern, die er bei der Abfassung seiner Chronik benutzt habe, sich auch ״ein in arabischer. Schrift und arabischer Sprache geschriebenes Buch Josua‘ gefunden habe. Diese Stelle findet sich auch in der e n g 1 i s c h e n Übersetzung, die Payne-Smith in Heidenheims Viertellahrsschrift nebst dem arabischen Text der Chronik des Abul-Fatch veröffentlicht hat und Dr. Gaster sagt in seiner Einleitung, § 30, dass er gerade die Ausgabe von Payne-Smith benutzte. Nun sprach ich in meiner Abhandlung meine Verwunderung darüber aus, wie eine solche wuchtige Stelle Dr. Gaster entgangen sein könnte. Sollte vielleicht Dr. Gaster diese, meine Bemerkung als eine Verdächtigung und böswillige Unterstellung aufgefasst haben? Ich muss mich in der Tat geirrt haben. Denn nachdem D1־. Gaster in seinem Times-Artikel Herrn Yellin die Unkenntnis der Chronik des Abul-Fatch vorwirft, weil er sogst in der Einleitung'entdeckt haben würde, dass der von Abul-Fatch benutzte Josua in arabischer Sprache geschrieben war, so muss man doch annehmen, dass diese Angabe Abul-Fatch’s Dr. Gaster eben nicht entgangen w a r, und fragen, wie Dr. Gaster dazu kommt, etwas zu behaupten, was im Widerspruch zu Abul-Fatch steht. Noch ein anderes Beispiel: Dr. Gaster schreibt in seiner Einleitung, § 1, die Samaritaner hätten in ihren Briefen von 1589 an Scaliger den Verkauf eines samaritanischen Josua rundweg abgelehnt. Dieses müsste ja das Vorhandensein eines hebräischen Josua bei den damaligen Samaritanern voraussetzen und für Dr. Gaster gilt es auch schon als Beweis, dass sie damals tatsächlich einen samaritanischen Josua in hebräischer Sprache gehabt haben. Dr:. Gaste!־ verschweigt aber, dass die Samaritaner sogar ein Jahrhundert später dem Oxforder Gelehrten Marshall erklärten, einen Josua nur in arabischer, nicht aber in hebräischer Sprache zu besitzen. Sie verlangten von ihm, den sie für einen Glaubensgenossen hielten (!), dass er ihnen einen hebräischen Josua zuschicken möchte. Dieses geschah und die Samaritaner brachten in einem späteren Briefe ihr Entsetzen darüber zum Ausdruck, dass dieser ihnen in hebräischer Sprache zu geschickte Josua eine Stelle enthielte, die in direktem Widerspruch zum samaritanischen Pentateuch stände, und fuhren bezeichnender Weise mit den Worten fort: ״Teilt uns doch! mit, welcher Religion ihr angehört. Wenn ihr nicht Samaritaner, wahre Israeliten seid, — seid ihr etwa Juden oder Karäer? Teilt es uns doch mit, damit wir wissen, welche Religion ihr habt.“ Hätten nun die Samaritaner damals den von Dr. Gaster entdeckten samaritanischen Josua gehabt, dann hätten sie sich doch nicht auf ihren Pentateuch berufen, sondern direkt auf den von Dr. Gaster entdeckten Josua, da doch die von ihnen beanstandete Stelle sich tatsächlich in Dr. Gasters Josua befindet und im Sinne des samaritanischen Pentateuch entstellt ist. Das alles steht schwarz auf weiss geschrieben und jeder kann sich aus Juynboll’s Einleitung zum Liber Josüae von der Richtigkeit des hier Gesagten 'überzeugen. Nun habe ich diese Tatsache auf dem Kongress hervorgehoben, aber absichtlich mit keinem Worte Dr, Gasters Verhalten zu diesem so wichtigen Punkt erwähnt. Sollte nun vielleicht Dr. Güster gar meine Verschwiegenheit in diesem Falle mir als eine böswillige Ignorierung dessen, was er geschrieben hat, ausgelegt haben? Jetzt hat Dr.,Gaster einen neuen Beweis dafür entdeckt, dass sein samaritanischer Josua (״schon“ odier ״noch“?) im Jahre 1688 n. Chr. bei dem Samaritanern vorhanden gewesen sei. ״Noch im Jahre 1688 schrieb der Hohepriester Marhib an Ludolf: Wir lesen das Gesetz (Pentateuch) von Anfang bis zu Ende, wir haben auch das Buch Josua; aber׳ wir lesen die Bücher d,er Propheten der Juden nicht.“ Für Dr. Gaster ist es ausgemacht, dass Marhib eben den von ihm entdeckten samaritanisehen Josua gemeint hat. Jeder andere wird aber einsehen, dass der samaritanische Hohepriester nur den biblischen Josua gemeint haben kann,

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