Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IV (1908)
- Issue
- 12 (6.11.1908)
- Date
- 1908-11-06
- Page
- Seite 95 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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LITERATURBLATT 95 No. 12 allen Seiten, mündlich und sein iitlich, gerade wegen meiner strengen Sachliclilveit unter Ausschaltung jedes persönlichen Momentes volle Sympathie bekundet worden ist. Auch in meinem Vortrag auf dem Kongress habe ich keine persönlichen Angriffe gegen Dr. Gaster gerichtet, ״welche die Augen des Gerechten blenden und das Recht beugen.‘ Einige sehr hervorragende Mitglieder der Royal Asiatic Society, die anwesend waren.,, waren sogar sehr angenehm berührt, dass ,ich die Person des Dr. Gaster in keiner Weise blosszustellen versucht habe. Und ich habe noch viel mehr des Guten getan: Gleich! nach dem Erscheinen meiner Abhandlung habe ich ein Exemplar! an Dr. Gaster geschickt und schrieb ihm, in der Annahme, dass ich es mit einem Gelehrten zu tun hätte, der es mit der Wissenschaft ernst meinte, und der mir; seine etwaigen Einwendungen in einer bei Gelehrten üblichen Sachlichkeit machen würde, folgende Zeilen: ״Hochgeehrter Herr Doktor! Ich nehme an, dass sich kein Anderer so sehr für meine Abhandlungen interessieren dürfte, als Sie. Ich erlaube mir daher, Ihnen ein Exemplar meiner Abhandlung ״über die Unechtheit des samaritanischen Josua“ zu schicken. Ich hoffe, dass S i e m i 1־ die Gerechtigkeit w i d e r f a h r e n 1 a s s e n w erden, da s n ö t i g e M a ss von Objektivität bewahrt zu haben, die f ii r jeden Kritiker Ehrenpflicht ist. Ich bedaurc sehr Ihren Irrtum, bin aber nach wie vor mit vorzüglicher Hochachtung Ihr sehr ergebener.“ Man wird nichts anderes sagen können, als dass ich Dr. Gaster wie einen Gentleman behandelt habe, Dr. Gaster ist unzufrieden, dass ich nicht auf alle seine Argumente eingegaugcn bin und wirft mir vor, seine Artikel in der Times und im Journal of Royal Asiatic Society absichtlich ignoriert zu haben. Dass ich es unterlassen habe, zu beweisen, dass z. B. sei 11 samaritanischer Josua nicht von Josephus im ersten Jahrhundert n. Chr. als Quelle benutzt worden ist, wird wohl jeder, mit Ausnahme von Dr. Gaster, für ganz begreiflich finden. Ich habe nur beiläufig bemerkt, dass, wenn in den arabischen Chroniken, aus denen die Zusätze des samaritanischen Josua übersetzt sind,, und in den Angaben Josejhus' manche gemeinsame Züge vorhanden sind, so mögen sie auf alte mündliche oder schriftliche Tradition zurückgehen. Im übrigen handelte es sich für mich nur darum, festzustellen, ob der Text des von Dr. Gaster entdeckten samaritanischen Josua ein althebräisches aus dem zweiten Jahrhundert v. Chr. stammendes Ogriginal ist, oder ein ganz modernes Machwerk eines unwissenden Kompilators. Nachdem nun der Beweis für letztere Annahme unwiderleglich erbracht worden ist. wäre es doch ganz überflüssig, ja sogar lästig, auf alle von Dr. Gaster für das hohe Alter des Buches vorgebrachten Argumente einznpehen. Dr. Gaster entdeckt lauter Widersprüche in meiner Abhandlung. Ich; zerbreche mir umsonst den Kopf darüber, wie es Dr. Gaster fertig bringt. Hoffentlich hat er meine Abhandlung nicht von rechts nach links gelesen! Oder kam sic ihm vielleicht wie ein arabisches Buch vor? Nein, dies ist kaum möglich. Denn Dr. Gaster äussert sieh sehr skeptisch ,.über meine arabische Gelehrsamkeit, die ebenso gering sein soll, wie die des Herrn Yellin.“ Dr. Gaster spricht von Unterstellungen und Verdächtigungen meinerseits. Ich suche sie vergeblich in meiner Abhandlung. Aber halt! Dr. Gaster schreibt in seiner Einleitung, § 31, dass auch der samaritanische Chronist Abul-Fatch, den Text des samaNtanischen Josua ״so wie er sich erhalten hat,“ also in hebräischer Sprache, benutzt habe. Das soll ein Beweis dafür sein.! dass auch Abul-Fatch den von ihm entdeckten samaritanischen Josua benutzt hat. Die Angabe in Abul-Eatch’s Chronik lautet aber ganz anders. Er sagt, dass