Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IV (1908)
- Issue
- 12 (6.11.1908)
- Date
- 1908-11-06
- Page
- Seite 94 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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94! LITERATURBLATT No. 12 ein Mann, wie Prof. Nöldeke, der von der ganzen wissenschaftlichen Welt als erste Autorität orientalistischer Wissenschatt gefeiert wird, meine Ab- Handlung für methodisch und wissenschaftlich genug gefunden hat, um sie der; Kcnigl. Preuss״ Akademie vorzulegen, und dass die Akademie mir ,die: grosse Ehre erwiesen hat, meine Abhandlung nach sorgfältiger Prüfung in ihre Sitzungsberichte aufzunehmen. Das alles imponiert aber Dr. üaster nicht. E r kann mich nicht ernst nehmen und bedauert jeden Gelehrten, der sich mit mir einverstanden erklärt. Um Dr. Gaster zu zeigen, wie viele Gelehrte er zu bedauern haben würde, müsste ich ihm die Namen der zahlreichen Gelehrten nennen, die mir in ihren Briefen volle Anerkennung zollten, und sich mit mir in allen Einzelheiten über den samariianischen Josua einverstanden erklärten. Ich will es jedoch nicht tun, weil nicht jeder in einer so unangenehmen Polemik genannt werden möchte. Ich besitze aber noch alle ihre Briefe und werde bereit sein, falls mich ein neuer Angriff Dr. Gasters dazu zwingen sollte (wovor mich aber der allmächtige Allah bewahren möchte!) in einer wissenschaftlichen Zeitschrift zu veröffentlichen. —- natürlich erst mit Einverständnis der betr. Gelehrten. Ich will gar; nicht davon reden, dass auf dem Kongress, auf dem die ersten Männer der biblischen und orientalischen Wissenschaften anwesend waren, es keinen Menschen gab, der nicht von der Unechtheit des samaritanischen Josua überzeugt war. Ja, viele sehr namhafte Gelehrte sagten und schrieben mir, dass sie niemals an die Echtheit dieses Machwerkes geglaubt haben und dass sie durch meine Abhandlung bezw. meinen Vortrag in ihrer Amsicht nur bestärkt worden seien. Ich selbst habe auch niemals daran gezweifelt, dass es nicht einen des Arabischen kundigen Bibelforscher geben würde, der den samaritanischen Josua für echt ־halten würde. Prof. Nöldeke und ich hielten es aber für angezeigt, die Unechtheit dieses Buches sofort bekannt zu machen, weil die Gastersche ״Entdeckung ‘ in der gesamten Presse so viel Aufsehen erregt hat. Nur eins bezweifle ich jetzt, nämlich, dass Dr. Gaster sich jemals von dem Glauben an die Echtheit seines Josua wird abbringen lassen. Ich bin sehr gespannt darauf, ob sich Gelehrte finden werden, die seine gegen mich angekündigte Abhandlung ernst nehmen werden. Jedenfalls werde ich mich nicht in die peilte solcher Gelehrten hineinwagen und ich verspreche schon jetzt Dr. Gaster; dass ich es nicht einmal versuchen werde, ihn zu widerlegen, namentlich nicht, wenn er auch für jene Abhandlung den Ton seines Times-Artikels gewählt haben sollte. Wer in seinem Stall ein paar Hörner findet und sich über ihre Wertlosigkeit nicht belehren lässt, sondern mit grosser Gelehrsamkeit ״beweisen" will, dass sie von Pharaos fetten Kühen stammen, den könnten die grössten Gelehrten der. Welt nicht widerlegen — und ich rechne mich kaum zu den kleinen. Dr. Gaster beklagt sich bitterlich darüber, dass meine Abhandlung voll von Verdächtigungen und böswilligen Entstellungen sei. Herr Dr. Gaster wird mir keine einzige Stelle, weder in meiner Abhandlung noch in meiner Zuschrift an die TIMES nennen können, die seine schweren Beschuldigungen gegen mich auch nur im geringsten rechtfertigen würden. Vielmehr ist das Gegenteil davon wahr. In meiner Abhandlung habe ich mich nur auf das Sachliche beschränkt und erklärte ausdrücklich, dass ich mich nicht auf alle Argumente des Dr. Gaster einlassen wollte. Ich habe dieses nicht getan, aus Gründen, die Dr. Gaster nur dankbar anerkennen sollte. Denn ich müsste sonst manche Missgriffe aufdecken, die für Dr. Gaster nicht gerade günstig sind. Er beklagt sich ferner über den Ton in meiner Abhandlung. Gleich am Eingang meiner Abhandlung habe ich in einem Ton von ihm gesprochen, in dem man nur von ernsten Gelehrten spricht. Ja, ich kann die Bemerkung nicht unterdrücken, dass mir von