Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IV (1908)
- Issue
- 12 (6.11.1908)
- Date
- 1908-11-06
- Page
- Seite 93 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 12 LITERATURBLATT 93 Quelle das Originals. Nächstens kann es noch Dr. Gaster passieren, dass er die wichtige Entdeckung macht, dass Miltons ״Verlorenes Paradies“ die eigentliche Quelle der Genesis sei. Und warum nicht? Wenn Josephus im 1.. Jahrhundert n. Chr, den vor 10 Jahren verfassten samaritanischen Jösua als Quelle benutzt haben konnte, warum soll nicht die Genesis auf Miltons ״Verlorenes Paradies“ zurückgehen können? Und Milton hat ja um einige Jahre früher gelebt als Murdschan! Was nun die Angabe betrifft, dass Murdschan der Verfasser* des samaritanischen Josua sei, so meint Dr. Gaster, könne es dieser unmöglich sein, w eil er keinfiebräisch kann. Vor einiger Zeit hätte dieser Murdschan eine hebräische Übersetzung (also doch!) aus einem gewissen Werk für Dr. Gaster angefertigt, die ganz unhebräisch klang’. Selbst der Hohepriester Jacub, meint Dr״ Gaster. schreibe ein ganz schlechtes Hebräisch, und was er schreibt, könne gar nicht verstanden werden, wenn es nicht erst ins Arabische zurückübersetzt wird. Aber eben gerade der Umstand, dass die neuen Zusätze des samaritanischen Josua so stark unliebräisch sind und erst dann verstanden werden können, wenn sie ins Arabische zurück übersetzt werden, hat doch auf die Spur des Fälschers geführt. Im übrigen scheint Dr. Gaster erst nach, Erscheinen meiner Abhandlung die Entdeckung gemacht zu haben, dass das Hebräische des Samaritaner so stark arabisiert sei. Dann sonst hätte er schon gleich gemerkt, dass die Zusätze seines samaritanischen Josua wörtlich aus dem Arabischen übersetzt sein müssten.. Was nun endlich die von mir in meiner Abhandlung behaupteten Tatsachen betrifft, so kündigt Dr. Gaster einen Artikel im nächsten Hefte .der Royal Asiatic Society an, in der alle meine Angaben von A bis Z von ihm widerlegt werden sollen. Das wird allerdings eine sehr respektable Leistung sein. Dr. Gaster hält sich auch ziemlich lange auf über einen angeblichen Widerspruch in den Aussagen des Herrn Yellin und den Angaben des Herrn Luncz. der den von Dr, Gaster entdeckten oder wiederentdecktien samaritanischen Josua schon vor 5 Jahren in seinem Jahrbuch ״Jerusalem“ abgedruckt hat. Ich will auf (fiese Diskussion nicht eingehen, weil sie für die ganze Frage nicht von so grosser Wichtigkeit ist. Ich überlasse es Herrn Yellin, diesen Widerspruch aufzuklären. Also hält Dr. Gaster noch jetzt an seiner Ansicht fest, dass sein Josua über 2000 Jahre alt ist. Zwar ist die älteste von ihm benutzte Handschrift erst ans dem Jahre 1905 — das schadet aber durchaus nichts: Es wird noch eine Zeit kommen, meint Dr. Gaster, wo eine seht־ alte, jetzt verborgen gehaltene Handschrift seines samaritanischen Josua aus dem Dunkel der Jahrtausende ans Tageslicht gefördert werden wird. Dann wird alle Yv'elt davon überzeugt sein, dass sein samaritanischer: Josua 2000 Jahre alt ist! Auch ich bin fest davon überzeugt, dass einmal diese Zeit kommen wird, — nämlich nach rund 1992 Jahren. Sc weit was die Sache selbst anbetrifft. Nun muss ich aber, so unangenehm es mir ist, auch auf־ die persönlichen Angriffe des Herrn Dr. Gaster etwas näher eingehen. Am Eingang' seines Times-Artikels bemerkt Dr. Gaster ,,dass er keine Notiz von dem Ton meiner Zuschrift und der Yellins an die TIMES nehmen, und sich nur auf die Tatsachen, oder vielmehr angeblichen Tatsachen beschränken wolle. Ich kann leider Dr. Gaster hierin nicht folgen, muss auch etwas über jenen Teil seines Artikels sagen, der sich nicht auf ״die Tatfsadjien“ allein beschränkt. Dr. Gasten kann weder meine sogenannte philologische Methode, noch meine ״Gelehrsamkeit“ ernst nehmen. Er empfindet es• sogar ״sehr erniedrigend, sich mit solchen Männern einlassen zu müssen, die so wenig einer so wichtigen Aufgabe gewachsen seien wie ich und Yellin.“ Du lieber Himmel! Dieses mir von Dr. Gaster ausgestellte Zeugnis beunruhigt mich durchaus nicht. Mir genügt es, dass