Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IV (1908)
- Issue
- 12 (6.11.1908)
- Date
- 1908-11-06
- Page
- Seite 92 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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92 LITERATUkbLATT No. 12 sehen Josua lind׳ arabischen Chroniken vor etwa 7 Jahren zusammengestellt hat. Als Gewährsmann gibt Herr Yellin den samaritanischen Obeppriester Jacub an. Murdschän selbst stellt gar nicht in Abrede, der Verfassen des samaritanischen Josua zu sein und er hatte sich sogar deswegen gegen gewisse Vorwürfe seitens des Oberpriesters Jacub zu verteidigen. Nun findet Punkt 1) seine Bestätigung in den Angaben Dr. Gaster'te selbst: Dr. Gaster erklärt, ausdrücklich in seiner Einleitung zum samaritanischen Josua (§ 2), dass er selbst in Nablus bei den Samaritanern keine einzige ältere Handschrift des samaritanischen Josua gefunden habe, und dass die älteste von ihm benutzte Handschrift aus dem Jahre 1905 sei (§ 3). Punkt 2) und 3) werden insofern das junge Alter des samaritanischen Josua in Betracht kommt, durch die Tatsache bestätigt, dass dev eine Teil des samaritanischen Josua aus der arabischen Chronik des 1898 verstorbenen Pinhas wörtlich übersetzt, und dass der andere Teil vom biblicshen Josua abg’eschrieben ist. Diese von Herrn Yellin an Ort und Stelle ermittelten Tatsachen sucht nun Dr. Gaster durch ״logische“ Argumente zu widerlegen. Zunächst bestreitet er die Zuverlässigkeit und Glaub- Würdigkeit seines alten Freundes Jacub. Nach den Erfahrungen, die er mit diesem Herrn Jacub gemacht hat, hat sich dieser Mann als ungiaubwürdig erwiesen. Es mag ja sein, dass Herr Jacub nach Gasters Angabe ein ünglaubwürdiger Mensch ist: in unserem Falle hat er aber die Wahrheit gesagt, nicht nur, weil Murdschän selbst seine Autorschaft des samaritanischen Josua zugibt, sondern vielmehr weil alle Tatsachen für seine Angaben sprechen. Im übrigen könnte man auf das Zeugnis des Herrn Jacub verzichten, nachdem der Kompilator sich selbst als Autor bekannt hat. Fragen muss man nur, wie es kommt, dass Dr. Gaster, der den Jacub für so unglaubwürdig hält, sich gerade an ihn mit der Bitte gewandt hat, ihm eine ״durchkorrigierte“ Abschrift des samaritantsehen Josua zu besorgen. Und Dr. Gaster schätzte gerade diese von Jacub erhaltene und sorgfältig durchkorrigerte Abschrift sehr hoch und benutzte sie sehr ausgiebig bei seiner Edition. Ja, noch mehr, am Schlüsse seiner Edition hat Dr. Gasten sogar das (in heb 1־ ä i s c he r Sprache abgefasste!) Kolophon der Abschrift dieses unglaubwürdigen Herrn Jacub mit abgedruckt (leider ohne Varianten•). Ferner muss man fragten, wie es kommt, dass Dr. Gaster gerade auf die Autorität dieses unglaubwürdigen Jacub hin, bombenfest behauptet, es gäbe heute keinen einzigen (!) Samaritaner, der gut Hebräisch kann oder die hebräische Quadratschrift zu lesen vermöchte. Und warum glaubt Dr. Gaster dem Hohenpriester! nicht, wenn er angibt, dass Murdschän der Verfasser des samaritanischen Josua sei? Weil er ihm vor einigen Jahren geschrieben hätte, dass er selbst das Buch Josua aus dem Arabischen üb e r s e t z t hätte. Es ist offenbar, dass derJHohe priest er damit nur jenen Teil des Josua-Buches gemeint haben kann, der faktisch aus dem Arabischen übersetzt ist, nicht aber das ganze samaritanische Josuabuch, wie es in der Editio Gaster vorliegt. Und darin hiat er recht. Denn schon viele Jahre, bevor Murdschän den samaritanischen Josua fabriziert hat, hat ä,er Oberpriester in Gemeinschaft mit seinem Neffen Pinhas, einen Teil der im samaritanischen Josua enthaltenen neuen Zusätze aus dem Arabischen ins Hebräische übersetzt und einer neuen hebräischen samaritanischen Chronik einverleibt, die sich auch im Besitze des Dr. Gaster befindet (§ 2). Hätte nun Dr. Gaster seinen Scharfsinn mehr auf. unvoreingenommene Kritik verwendet, als. auf Dialektik, dann hätte er sich gleich davon überzeugt, dass nicht der samaritanische Josua die Quelle der erwähnten Chronik ist, sondern umgekehrt, dass Jene Chronik von Murdschän bei der Zusammenstellung seines Josua ausgeschrieben worden ist. Aber für D1־. Galster muss alles, was er gerade entdeckt, älter sein als das, was vorher vorhanden war; eine Ab- Schrift ist für ihn älter als das Original und eine Übersetzung gar die