Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IV (1908)
- Issue
- 12 (6.11.1908)
- Date
- 1908-11-06
- Page
- Seite 91 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/8295971-4781796-8238409--740-8190350- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
No. 12 LITERATURBLAT T 91 erschienen ist und in einem Vortrag, den ich über dasselbe Thema auf dem Orientalistenkongress in Kopenhagen gehalten habe, habe ich in ganz detaillierter Weise oachgewiesen. dass die in unserer Bibel nicht vorhandenen Partien des samaritanischen Josua direkt aus ganz späten arabisehen Chroniken übersetzt sind, während der übrige Teil des samaritanisehen Josua von unserer Bibel wörtlich abgeschrieben wurde. Ich kann hier auf die Einzelheiten nicht eingehen, nachdem schon alle Zeitungen und auch dieses Blatt vom 4• September, darüber berichtet haben. Ich will nur noch bemerken, dass ich bei der Abfassung meiner Abhandlung für die Königl. Preussische Akademie das von Juynboll 1846 herausgegebene arabische 1 i b e r J 0 s u a e in Berlin nicht auftreiben konnte; sowohl auf der Königliche Bibliothek, als auch auf der Universitäts-Bibliothek, habe ich dieses Buch weder unter ״Juynboll“ noch unter ״Josua“ gefunden. Erst nach dem Erscheinen meiner Abhandlung' machte mich ein Bibliothekar aus der Königlichen Bibliothek darauf aufmerksam, dass dieses Buch wohl in der Bibliothek vorhanden sei, aber nach altem Brauch unter .,Samaritanische Literatur“ verzeichnet. Ich habe also erst später das Juynbollische Buch bekommen können und ein Vergleich des arabischen Textes, mit der von mir benutzten arabischen Chronik des 1898 verstorbenen samaritanischen Priesters Pinhas ben Jshaq zeigte.mir, dass die Zusätze des samaritanisehen Josua nicht mit dem älteren über Josuae, sondern wörtlich mit der Chronik des Pinhas übereinstimmen. Dieses überzeugte mich! davon, dass der samaritanische Josua nicht älter als 10 Jahre sein kann und ich sprach infolgedessen an! Schluss meines Vortrages die Vermutung aus, dass der samaritanische Josua entweder von Pinhas selbst oder von einem anderen, noch heute lebenden Samaritaner verfasst sein muss. Hierdurch wird die mir von Dr. Gaster gemachte Unte rteilung, ich hätte absichtlich das über Josuae aus dem Kreise meiner Untersuchung ausgeschaltet, weil darin Angaben enthalten sind, die gegen meine Ansicht sprächen, hinfällig. Im Gegenteil muss ich es bedauern, d!as.s ich Juynbolls Ausgabe nicht vorher benutzen konnte. Denn sonst hätte ich in meiner Abhandlung die Entstehung des samaritanischen Josua nicht erst nach dem Jahre 1598, sondern nach dem Tode des Pinhas, 1898, gesetzt. Es ist wohl richtig, dass der Verfasser des arabischen Josua gleich am Anfang seines Buches ganz allgemein angibt, seine Erzählungen aus d e m He b r ä i s c 11 e n übersetzt zu haben. Damit kann er doch nur der! biblischen Josua und andere:, midraschische Weuke in hebräischer Sprache meinen, die im Mittelalter sowohl bei den Juden, als auch Samaritaner-n vorhanden waren, nicht aber den erst kürzlich von Dr. Gaster entdeckten samaritanischen Josua. Dieses geht schon allein daraus hervor, dass der arabische Josua. wie soeben erwähnt, nicht mit dem samaritanisehen Josua übereinstimmt. Ferner, dass im arabischen Josua eine ganze Menge von Erzählungen aus der Zeit vor. und nach Josua enthalten sind, von denen im samaritanischen Josua keine Spur zu finden ist. Nachdem es nun für mich fest stand, dass der samaritanische Josua in den allerletzten Jahren entstanden ist, erhielt ich von Herrn David Yellin in Jerusalem die Nachricht, dass es ihm gelungen ist, den Verfasser des samaritanischen Josua in der Person eines noch heute lebenden Samaritaners festzustellen. In meiner Zuschrift vom 21. September an die TIMES habe ich einen Artikel von Herrn Yellin über diese Ermittelungen angekündigt. Meine Zuschrift ist gleichzeitig mit Yellin’s Artikel in der TIMES vom , 3. Oktober erschienen. In seinem Artikel teilt Herr Yellin mit, dass er nach eingehenden mündlichen und schriftlichen Erkundigungen bei den Samaritanern selbst festgesetellt hat: 1. dass bei den Samaritanern keine einzige Handschrift des siamaritanischen Josua zu finden sei, die älter wäre als 8 Jahre; 2. dass der samaritanische Josua von einem noch lebenden Samaritaner namens Murdschän verfasst worden ist; 2. dass dieser Murdsehän den samaritanischen Josua nach eigenem Geständnis tatsächlich aus dem bibli-