Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IV (1908)
- Issue
- 12 (6.11.1908)
- Date
- 1908-11-06
- Page
- Seite 90 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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90 LITERATURBLATT No. 12 liehen Lichtfreunden mit scheelen Augen angesehen wurde, weil er ebensosehr ein moderner Denker wie ein glühend begeisterter Angehöriger seines Volkes war. Hat׳ doch kein einziger der Rabbiner vom neuen Schnitt so bleibende Wirkungen hinterlassem wie dieser Mann. Und doch ist es den! Sohne gelungen, sich bei der Geschichtsschreibung wenigstens so weit von dem Einflüsse des überragenden Mannes frei zu machen, dass man ihm keineswegs vorwerfen darf, dass er seinen Vater mehr in den Vordergrund der jüdischen Geistesgeschichte geschoben hat, als er hereits stand. Mit ebenso grosser Liebe zu seinem Stamme, wie mit dem Wunsche nach Wahrheit und Gerechtigkeit, hat Philippson die Geschichte der Juden in der neuesten Zeit zur Darstellung gebracht und damit eine Aufgabe erfüllt, die, da sie kaum Vorgänger hatte, zu den allerschwierigsten gehörte. Er hat damit ein Werk geschaffen, das besonders in die Kreise sich Eingang verschaffen sollte, die, weil sie eine politische Idee fiir die Zukunft des Judentums haben, bereits die eigentlichen Vertreter jüdischer Gesinnung zu sein glauben. Dazu gehört vor allem jüdisches Wissen und ganz besonders historisches Wissen, und es genügt nicht, mit Phrasen den. Mund voll zu nehmen, sondern Wissen zu erwerben und ganz besonders historisches Wissen. In den Kreisen dieser jungjüdischen Kämpfer könnte das Philippsonsche Werk von grossem Segen sein, wenn es, um eines Lessingschen Ausdrucks uns zu bedienen, weniger gelobt und fleissiger gelesen würde. Sie werden dann in ihm das beste Rüstzeug finden, um für ihre Bewegung einzutreten, denn sie werden alle die Wurzeln und Keime erkennen, aus denen die jüngste Richtung im Judenturne organisch erwachsen ist. Zum samaritanischen Uosua Eine Antwort Dr. Yahudas auf Dr. Gasters Angriffe in der TIMES. In der TIMES vom 3. Oktober veröffentlichte Herr David Yellin (Jerusalem) einen längeren Artikel, in dem er auf Grund von;eingehenden persönlichen Erkundigungen bei den Samaritanern selbst den Nachweisi führte, dass der Verfasser des von Dr. Gaster neulich entdeckten samaritanisehen Josua ein noch heute in Nablus lebender Samaritaner, namens Murdsch an ist. Der Umstand, dass gleichzeitig mit Yellins Artikel auch ein kurzes Schreiben von mir an die TIMES über dasselbe Thema erschien, bot Herrn Dr. Gaster eine Handhabe dazu, in der TIMES vom 5. Oktober mich und Herrn Yellin in sehr beleidigender Weise anzugreifen. Nun hat DIE WELT in ihrer Nummer vom 16. Oktober über diese Kontroverse ausführlich berichtet und in einem Auszug aus Gasters Artikel in der TIMES u, a.. eine Stelle wiedergegeben, die arge Beschuldigungen gegen mich enthält. Da aber DIE WELT aus Parteiriicksichten es abgelehnt hat, die hier anbei folgende Erwiderung von mir aufzunehmen, so nehme ich Gelegenheit, in diesem Blatte darzutun, dass Dr. Gaster weder aus persönlichen noch sachlichen Gründen zu seinem Angriffe gegen mich berechtigt war. In meiner Abhandlung ״über die Unechtheit des samaritanischen Josua- Buches“, die in den Sitzungsberichten der Königlich Preussischen Akademie