Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IV (1908)
- Issue
- 11 (30.10.1908)
- Date
- 1908-10-30
- Page
- Seite 85 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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No. 11 LITERATURBLATT 85 Übersetzung-, so kommt man dazu, beiden Unrecht zu tun, indem man eine Mischung aus Jüdischdeutschem und .Hochdeutschem zusammensetzt Das verdirbt die mundartliche Überlieferung und macht uns das Jüdischdeutsche nicht verständlicher. Und auf diese Weise entsteht aus der Mischung der deutschen Schriftsprache und dem jüdischen Volksdialekt, der keineswegs , wie man gern möchte, ein Jargon, d. h. ja Kaudenwälsch ist, eben dieses Kauderwälsch, das man mit Recht dann Jargon benennen mag, wenn es durchaus ein Fremdwort sein muss. Weitaus empfehlenswerter, wenn auch ein wenig umständlich ist es, die Texte einmal im jüdischdeutschen Original in genauer Umschreibung und daneben in hochdeutscher Übertragung wiederzugeben oder wenn das aus gewissen /räumlichen Gründen ausnahmsweise nicht möglich ist, nur in jüdischdeutscher Sprache in lateinischer Umschrift mit einem Wörterbuch am Schluss zu geben. Die Einbusse, die das Buch durch den gerügten Fehler hat, ist gering gegenüber dem ausserordentlichen Werte, den es als ein geschichtliches Kulturbild hat. Gewiss es ist ein einseitiges Bild. Aber alle Werke, die darauf Anspruch erheben, als Quellen historischer Darstellung dienen zu wollen, sind durch die Anschauung menschlicher Augen und durch die subjektive Auffassung. und Bearbeitung menschlicher Gehirne hindurchgegangen. In anschaulicher Weise sehen wir die russischjüdische Familie aus dem patriarchalischen Leben und aus der naiven Auffassung des Lebens und der einfachen traditionellen Weltanschauung hierauswachsen und folgen mit gespanntem Interesse den Wandlungen, die uns die Grossmutten darstellt, abgeklärt in der reifen und ruhigen Anschauung eines Hebenswürdigen und ehrwürdigen Alters. Wir wollen auch die Arbeit des Herausgebers keineswegs unterschätzen. Sie war sehr, sehr gross. Aber die Belohnung besteht ja auch darin, dass ein gutes, sehr gutes Buch vorliegt. Und es kann nur der Wunsch geäussert werden, dass auch deutsche Grossmiitter ihren jüdischen Enkeln die jüdischen Kämpfe ihrer Jugendzeit und ihres Mannesalters erzählen, wie diese russisch-jüdische Grossmutter ihren Nachkommen die geistigen Kämpfe ihrer Jugendzeit, Wir fassen gern unser Urteil in dem Geständnis zusammen, dass wir neugierig sind, den weiteren Verlauf des interessanten Werkes bald zu sehen. Heinrich Loewe. Die religiöse Erziehung des Menschen von Lehrer H. Schreiber. Gr. 8°. 256 S. Geh. 3 Mk,, in Originalleinenband 3,40 Mk. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig, 1908, Die religiöse Erziehung unserer Jugend gehört in den letzten Jahren zu den meist behandelten Problemen der Pädagogik. Denn immer deutlicher ,erkennt man. dass die; Art und Weise, in der man eine Kindesseela in die Tiefen Gottes verankern will, nicht die richtige ist und dass die religiöse Unterweisung nicht in Widerspruch stehen darf mit unserer ganzen Gottesvorstellung, den Ergebnissen der modernen Wissenschaft, insbesondere der Pädagogik. Dieser Fragenkomplex wird erschöpfend in dem vorlingenden Werke vom christlichen Standpunkte aus behandelt,