Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IV (1908)
- Issue
- 11 (30.10.1908)
- Date
- 1908-10-30
- Page
- Seite 84 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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84 LITERATURBLATT No. 11 einander, 1847 und 1853, wurde Lionel von Rothschild als Vertreter ins Unterhaus gewählt; er konnte aber die Rechte des Mandate szufolge derEidesformel, da er den vorgeschriebenen Eid als Jude nicht leistete, nicht ausüben, bis endlich 1858 das Parlament beschloss, diese Bestimmung zu ändern und die 50jährige Wiederkehr dieser denkwürdigen Stunde der völligen Emanzipation feiern unsere englischen Stammesgenossen in einigen Wochen durch ein grösseres Fest. J. Wertheim. Literaturbericht Pauline Wengeroff: Memoiren einer Gross mutter. Bilder aus der Kulturgeschichte der Juden Russlands im 19.. Jahrhundert. Band I. Mit einem Geleitwort von Dr. Gustav Karpeles. Berlin; Verlag von M. Poppelauer 1908. VII, 200 S. 8 °. Die Memoirenliteratur ist bei uns Juden mehr als dünn gesät. Auf die Memoiren Herzls werden wir wohl noch warten und deshalb uns derweilen mit den Lebenserinnerungen anderer begnügen müssen, soweit uns solche überhaupt zuteil werden. Der vorliegende erste Teil der Memoiren der Frau, die sich selbst als eine Grossmutter bezeichnet, ist ein sehr wertvolles Geschenk auf dem jüdischen Büchermarkt, und Verleger und noch weit mehr der ungenannte, aber wohlbekannte Herausgeber haben alles getan, um dem schätzenswerten Memoirenwerke noch mehr Wert und weiten Eingang zu verschaffen. Das Wachsen und Werden einer neuen Zeit im russischen Judentum wird hier von einer dem Judentume unerschütterlich treuen Frau dargestellt, die allein in dieser Krise aus ihrer Familie und Verwandtschaft nicht dem väterlichen Stamme feige den Rücken gekehrt hat. Wie welkes Laub ist um sie herum abgefallen, was aus ihrer Familie zum alten Stamme gehörte, und sie ist treu geblieben und wurde in dieser ihrer Treue nur noch mehr befestigt und wenigstens ihre eigenen Nachkommen gehören weiter zu der Gefolgschaft der alten Ehrenfah^e und halten sie hoch. Aber die Frau wurde durch das, was um s1ie vorging, zum■ Nachdenken über die Geschicke des Stammes angeregt, dem. sie ‘mit Liebe und innigem Gefühl angehört, und die in deutscher Bearbeitung vorliegenden Erinnerung’en der Greisin sind ein wertvolles Zeitdokument, Mit gutem Recht hat Dr. Karpeles, der nicht der Herausgeber ist, sondern nur das Vorwort geschrieben hat, das Werk ein liebenswürdiges Buch genannt, das auch da das liebevolle Gesicht des Grossmütterchens zeigt, wo• mit liebevollem Gedenken die Jugendzeit der Greisin wieder .auflebt in ihren Kinderreimen und in den alten Volksliedern, die ihre Kindheit vergoldet haben. Hier möchten wir einen Wunsch nicht unterdrücken, der nicht bloss an den Herausgeber sondern an die Autoren aller ähnlichen Publikationen gerichtet ist. Man w.eiss gewöhnlich nicht, wie man es mit dem jüdischdeutschen Dialekt zu halten habe, und weil man nicht w^eiss, ob es besser ist, das Original getreu wiederzugeben oder eine hochdeutsche