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Jüdische Rundschau · 1908-10-30 · 11 (30.10.1908) · p. Seite 82

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IV (1908)
Issue
11 (30.10.1908)
Date
1908-10-30
Page
Seite 82 (sequence 2)
Language
German
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82 LITERATURBLATT No- 11 Oberhand bekommen, sie schaltete und waltete, wie es ihr beliebte. Sie brachte es beim Könige fertig, dass dieser alle Juden auswies, die Priester hetzten das Volk gegen sie und ihr Vermögen, die Kreuzfahrer schlossen sich dem Pöbel an und eine der traurigsten Zeiten der Metzeleien und Plünderungen dezimierte die Zahl der in England lebenden Juden. Unter dem nachfolgenden Regenten Johann I. 1199—1216 ging es ihnen anfangs wieder besser; er gestattete vielen, allerdings gegen grossere Geldsummen, das Niederlassungsrecht und gewährte ihnen den weitgehendsten Schutz. Sie durften sich eigene Synagogen bauen, Güter erwerben u. s. f. Als er aber in den folgenden Jahren in Geldverlegenheit geriet, blieb er doch nicht taub gegen die Einflüsterungen von judenfeindlicher Seite; er gab diesen nach, liess 1212 alle Juden Englands an einem Tage einsperren und gab sie erst!dann frei, als sie ein Lösegeld von 60 000 Mark gegeben hatten. Nach dem Tode des wahnsinnigen Tyrannen Johanns I. regierte während der Minderjährigkeit seines Sohnes Heinrich III. 1216—1272 der vom Papst eingesetzte Erzbischof von Canterbury, Stephanhangton. Wie gewöhnlich unter der Regierung der Geistlichkeit, mussten die Juden auch unter ihm vieles erdulden. Ausser vielen anderen Demütigungen zwang dieser sie, ein Judenabzeichen zu tragen, das aus einem wollenen Streifen von anderer Farbe als das Kleid bestand, dessen Länge vier Finger und dessen Breite zwei Finger sein musste. Unter den weiteren Regierungsvertretern ging es ihnen zeitweise besser, so durften auch fremde Juden sich wieder in England niederlassen. Aber als der volljährig gewordene König Heinrich III. selbst die Regierung übernahm, begann für die Juden wieder eine Zeit der Schreckenswirtscahft. So musste jeder Jude für einen Neugeborenen einen Leibzoll zahlen; um des Königs Kassen zu füllen, wurden alle möglichen und unmöglichen Chikanen erfunden, so dass ihm die Juden innerhalb 7 Jahren die ungeheure Summe von ca. 8 Millionen abliefern mussten. Ihm folgte 1272—1307 sein Sohn Eduard I. Es änderte sich nichts. Er erneuerte das Gebot des Abzeichentragens und legte ihnen neue Steuern auf. Infolge einer falschen Anschuldigung wegen Falschmünzerei wurden am 17. November 1279 sämtliehe Juden Englands in den Kerker geworfen, auf falsche Zeug'enaussagen 293 Juden gehängt, viele zu ewiger Kerkerhaft verurteilt und natürlieh deren Vermögen konfisziert. Besonders habgierig war die Königin- Mutter Eleonora, die insbesondere mit der Geistlichkeit m Verbindung stand, und ihrem Einflüsse beim Könige war es zu verdanken, dass dieser es durchsetzte, dass das Unterhaus beschloss: die Juden dürfen fortab keine Geldgeschäfte mehr machen, sie dürfen nur noch in königlichen Städten und Burgen wohnen,!jeder Jude vom 12. Lebensjahre ab musste dem Könige zu Ostern 25 Pf. schenken. Ferner untersagte er, jeden Verkehr zwischen Juden und Christen und ordnete noch eine weitere Zahl von Erniedrigungen an. Es brach eine Zeit der schlimmsten Judenverfolgungen ein, die ihren Höhepunkt 1290 erreichte. Ohne Zustimmung des Parlaments veröffentlichte der König Eduard I. ein Edikt, wonach sämtliche Juden

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