Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IV (1908)
- Issue
- 11 (30.10.1908)
- Date
- 1908-10-30
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Literaturblatt der Jüdischen Rundschau zu £1 Herausgegeben Q p Redaktion: BERLIN N. W. 52, Melanchthonstrasse 4. Beilage zu ״Jüdische Rundschau“ von Dr. Heinrich Üoeve. Jahrg.XHI. _N0.44 No. 11. Berlin, 5. Cheschwan 5669 — 30. Oktober 1908 Jahrg. IV Zur Geschichte der Juden in England Das 50jährige Jubiläum der Gleichstellung der englischen Juden mit den übrigen Bewohnern lässt es tunlich erscheinen, einen kurzen Rückblick auf die Lage zu werfen, in welcher unsere Glaubensgenossen vor dieser Zeit in England lebten. Der Zeitpunkt, zu dem sich überhaupt Juden zum ersten Male niederliessen, steht nicht fest. Soviel weiss die Geschichte jedoch, dass in der talmudischen Zeit der Name Britannien schon gekannt wurde, wie dies aus einer Stelle Berachot (58, b) nach der Lesart des Aruch hervorgeht. Sie müssen schon frühzeitig, wahrscheinlich schon zu römischen Zeiten, in kleiner Zahl ansässig gewesen sein. Jedenfalls war ihre Lage keine angenehme, sonst könnte man von einer grösseren Menge berichten. Bekannt ist als erstes ״Ausnahmegesetz“, dass 740 der damalige Erzbischof von York, Egbricht, den Christen verbot, den jüdischen Festen anzuwohnen. Unter ״Eduard dem Bekenner“ (1041—1066) wurden die Juden und ihr gesamtes Vermögen für königliches Eigentum erklärt. Auch unter Wilhelm I. 1066—1087, bekannt als Wilhelm der Eroberer, genossen sie denselben Schutz als ״Lehnsleute“, mussten ihm aber begreiflicherweise dies mit einer grossen Summe zahlen. Unter seiner Regierung wanderten viele jüdische Familien aus Rouen von der Normandie nach England ein. Ihm folgte Wilhelm II. 1087—1100, der, wie die Geschichte berichtet,' eine interessante Disputation herbeiführte, zwischen .jüdischen und christlichen Theologen, welche .zu Gunsten der ersteren endete. Dadurch befestigte sich auch die Stellung der Juden, sie durften sich inmitten Londons einen Friedhof anlegen. Weniger günstig war ihnen König Stephan 1136—1154 gesinnt, unter dem sie ebenso wie unter dem ihm folgenden Heinrich II. 1154—1189 mancherlei Unbill zu erdulden hatten. Als 1188 die Regierung das Parlament einberief behufs Beschaffung der Kosten zu dem vorzunehmenden dritten Kreuzzug, machte man den Vorschlag, die Juden Englands mit 60 000 Pfund Sterling zu besteuern. Derselbe wurde angenommen, und jeder Jude, der keine 5000 Mark zahlen wollte oder konnte, musste England verlassen. Ausserdem legte man der jüdischen Gemeinde in London noch eine Extra-Steuer in Form einer sofort zu zahlenden Summe von 35 000 Mk. auf. Die Regierung Richards I. (11: 3—1199) gestaltete sich für die Juden zu einer Schreckensherrschaft. Die Geistlichkeit hatte die