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Jüdische Rundschau · 1908-09-04 · 9 (4.9.1908) · p. Seite 71

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IV (1908)
Issue
9 (4.9.1908)
Date
1908-09-04
Page
Seite 71 (sequence 7)
Language
German
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No. 9 LITERATURBLATT 71 gegen, aus antisemitischen Motiven an die Frage nach der Abstammung Jesu herangetreten zu sein und erklärte in ziemlich erregten längeren Ausführungen, dass er durchaus nicht den Anspruch darauf erhebe, die Abstammung Jesu von Ariern definitiv entscheiden zu können, ״da er ja selbst bei der Geburt Jesu gar nicht anwesend gewesen wäre“! Nachdem er sich auch gegen Dr. Yahuda in scharfen Worten gewandt hatte, wurde ein Antrag auf Schluss der Debatte, die einen sehr erregten Verlauf nahm, einstimmig angenommen. Der samaritanische Josua auf dem Orientalisten-Kongress In der am meisten besuchten Sektion IV a—b für semitische Sprachen hielt in der ersten Sitzung am Freitag, dem; 14. v.- Mts., Dr. Y ahuda - Berlin einen längeren Vortrag über das kürzlichvon Dr. Qaster-London!entdeckte und im letzten Heft der ZEITSCHRIFT DER DEUTSCH-MORGENLÄDISCHEN GESELL- SCHAFT veröffentlichte samaritanische J 0 s u a b u c h. Es ist bekannt, welches grosse Aufsehen diese Entdeckung in der ganzen gebildeten Welt gemacht hat. Nach Ansicht des Dr. Gaster soll der samaritanische Josua spätestens aus dem zweiten vorchristlichen Jahr- ■hundert stammen und soll so£ar dem Josephus als Quelle für seine Archäologie gedient haben. In Wirklichkeit erweist es sich als ein plumpes Machwerk der Samaritaner in allerletzten Zeiten. Der samaritanische Josua geht in erster Linie auf arabische Chroniken zurück, und der rezipierte biblische Text wurde vom Kompilator bloss subsidiär benutzt. Als Terminus post quem ist nach den Ausführungen des Dr. Y ahuda das Jahr 1355 n. Chr. anzusehen, da der Samaritanische Josua von einer Thorarolle spricht, die vor dem Jahre 1355 unbekannt war. Als Abschreiber jener Thorarolle wird von den Samaritanern Abischa, der Urenkel des Hohenpriesters Aron angegeben, und sie soll von ihm im 13. Jahre des Einzugs der Israeliten in Kanaan geschrieben worden sein. Diese Thorarolle wird nun zul ersten Mal in einer vom samaritanischen Chronisten Abu’l-Fath im Jahre 1355 n. Chr. verfassten Chronik erwähnt, und es wird ausdrücklich hervorgehoben, dass sie vom damaligen samaritanischen Oberpriester Pin has (1304—1358 11. Chr.) durch göttliche Offenbarung entdeckt und im Jahre 1355 am Sabbath des Laubhüttenfestes ״in einer ausserordentlich grossen Stunde“ im Beisein der ganzen Gemeinde öffentlich gezeigt worden sei. Die Thorarolle bemerkt A b u ’ 1 - F a t h sei bis dahin verborgen geblieben, und es müsste als eine ganz besondere ■göttliche Gnade angesehen werden, dass sie gerade in seinen Tagen zum Vorschein gekommen sei. Es liegt also auf der Hand, dass diese Thorarolle eben in seinen Tagen geschrieben worden ist. Herr D1־. Y a h ud a hat auch nachgewiesen, dass sie von einem Sohn des erwähnten P i n h a s geschrieben wurde. Wenn nun diese Thorarolle erst im Jahre 1355 n. Chr. bekannt wurde, so kann sie doch dem Verfasser des Josuabuches nicht vorher bekannt gewesen sein. Ein anderes höchst wichtiges Moment für die Bestimmung der Abfassungszeit ist der Umstand, dass die

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