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Jüdische Rundschau · 1908-09-04 · 9 (4.9.1908) · p. Seite 72

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IV (1908)
Issue
9 (4.9.1908)
Date
1908-09-04
Page
Seite 72 (sequence 8)
Language
German
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72 LITERATURBLATT No. 9 Samaritaner n hren Brefen vom Jahre 1689 n. Chr, an den holländischen Gelehrten S c a 1 i g e r ausdrücklich bemerken, dass sie nur einen arabisch, nicht aber hebräisch geschriebenen Josua besässen. Hieraus geht deutlich heilvor, dass ihnen am Ende des 17. Jahrhunderts ein Josua in hebräischer Sprache unbekannt war. Die Abhängigkeit des samaritanischen Josua von den arabischen Chroniken zeigt sich auch in dem arabischen Sprach- Charakter, der sich durch das ganze Buch hindurch wie ein roter Faden durchzieht. Auf Schritt und Tritt treten arabische Wörter und arabische Konstruktionen auf, und das ganze macht unbedingt den Eindruck einer Uebersetzung aus dem Arabischen. Der Vortragende führte eine ganze Reihe von Stellen auf, die gänzlich unverständlich sind, wenn man sie nicht erst ins Arabische zurück übersetzt. Er weist ferner auf einige Lücken hin, die erst auf Grund der arabischen Chroniken ausgefüllt werden können. An manchen Stellen erweist sich die Übersetzung als eine ganz falsche, weil der Verfasser des samaritanischen Josua seine arabischen Vorlagen nicht richtig verstanden hat. Es kommen auch echt muhammedänische Termini darin vor, und Gebetsfonnein, die von den muhammedänischen Theologen bezw. arabischen Religionsphilosophen des Mittelalters festgelegt worden sind. Ja, selbst die monotheistische Bekenntnisforme! ist in ihrer Form nicht jüdisch, sondern muhammedaniseh! Was nun denjenigen Teil betrifft, der mit dem biblischen Text parallel geht, so stimmt er mit diesem vollkommen überein. Ja, selbst die orthographischen Fehler, die sich in alter Zeit in den biblischen Josua eingeschlichen haben, sind vom Verfasser ohne weiteres abgeschrieben worden. Auch in diesem Teil stellen sich beim Vergleichen des samaritanischen Josua mit dem biblischen Text einige Lücken und Fehler heraus, die nur auf Grund des biblischen Textes ausgefüllt resp. korrigiert werden können. Am Schluss seiner Ausführungen zeigt der Vortragende, in welch leichtsinniger Weise der Kompilator des samaritanischen Josua sein Werk zusammengestellt hat, und gelangt zum Schluss, dass der samaritanische Josua sein Entstehen erst der Nachfrage europäischer Gelehrter nach einem hebräischen Josua in samaritanischer Rezension zu verdanken hat und möglicherweise ein Produkt der allerjüngsten Zeit sein könne. Herr E. N. Adler- London, Mitglied Royal Asiatic Society, führt auch seinerseits einige Daten an, die die Richtigkeit der Ausiführungen des Herrn Dr. Y a h u d a bestätigen und bemerkt, dass man auch in England die Entdeckung des Herrn Dr. G a s t e r von vornherein etwas skeptisch aufgenommen habe. Von besonderem Interesse ist der von Dr. Y a h u d a geführte Nachweis, dass die Samaritaner nicht eine einzige Üentateuch-Handschrift haben, die älter wäre, als 600 Jahre. Hiermit sind alle Angaben der Samaritaner über das hohe Alter ihrer Thorarollen in das Reich der Erfindung verbannt. Ueberhaupt sind die Samaritaner in der Datierung ihrer Handschriften nicht gerade sehr gewissenhaft. In den europäischen Bibliotheken soll nach Dr. Y a h u d a manche samaritanische Handschrift liegen, die um viele Jahre zurückdatiert ist, und die in späteren Jahrhunderten manchen Forscher in Verwirrung bringen wird.

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