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Jüdische Rundschau · 1908-09-04 · 9 (4.9.1908) · p. Seite 69

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IV (1908)
Issue
9 (4.9.1908)
Date
1908-09-04
Page
Seite 69 (sequence 5)
Language
German
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No 9 LITERATURBLATT 69 nicht, wie allgemein angenommen wird, in Nordsyrien, sondern in Galiläa und zwar in nächster Nähe vom Tiberias-See gelegen haben müsse. Diese seine Hypothese stützte er mit allerlei Konjekturen und Emendationen an verschiedenen biblischen Stellen; er schickte dieses voraus, um die Ansiedlung der Meder und anderer angeblich arischer Misch Völker, die durch die assyrischen Könige in der Gegend vom nordsyrischen Hamath im 6. Jahrhundert v. Chr. veranlasst wurde, nach Galiläa zu versetzen, um dann hieraus den Schluss herzuleiten, dass Jesus, der unmöglich ein Judäer gewesen sein könne und ebenso wenig in Bethlehem geboren worden sei, von arischer Abstammung gewesen wäre. Seine Ausführungen schloss er mit den Worten: Die Feststellung, dass Jesus kein Judäer, sondern ein Arier gewesen ist, ist von höchster weltgeschichtlicher Bedeutung; denn die Rasse ist alles, und alles kann nur aus der Rasse erklärt werden. Auch hier muss das Wort Jeremias: ״Kann denn ein Neger seine Haut ändern?“ Anwendung finden, und Jesus kann nimmermehr als Judäer angesehen werden, da er nun doch ein Arier war. Dr. K a m i 11 k a - Wien bemerkte zunächst, dass er bereits vor 18 Jahren aus rein geographischen Erwägungen dieselbe Hypothese über der! Ort Hamathi in einer wissenschaftlichen Zeitschrift aufge,- stellt habe, später aber fallen lassen musste, weil er bei weiteren Forschungen; habe einsehen müssen, dass auch wichtige historische Momente unbedingt dagegen sprächen. Herr D1־. Gunkel, Professor der Theologie in Giessen, bemerkte, dass, wenn es auch als feststehend betrachtet werden müsse, dass Jesus kein Judäer, sondern Galiläer gewesen, so könne man doch nicht seine Abstammung von Ariern beweisen. Ueberhaupt sei es sehr schwer, die Abstammung eines einzelnen von einer bestimmten Rasse zu beweisen, und in diesem Falle müsste Prof. Haupt zum mindesten erst den Nachweis dafür bringen, dass in Galiläa nicht ein einziger Judäer übrig geblieben wäre. Herr Privatdozent Dr. Mittwoch - Berlin meinte, dass die Schlüsse, die Herr Prof. Haupt u. a. auch aus einigen Ueberlieferungen über die fremdartige Aussprache der Galiläer auf die fremde Abstammung Jesu Christi und seiner Apostel herleiten möchte, nicht stichhaltig sein. Herr Prof. Ginzberg-New York widerlegte auf Grund von mehreren Stellen, die er aus der alten und namentlich talmudischen Literatur anführte, die Annahme des Prof. Haupt auch in Bezug auf die Lage anderer Orte in Galiläa. Herr Lic. Dr. Jeremias- Leipzig betonte, dass Jesus nur als Jude verstanden werden kann, und dass alle Versuche, ihn als Arier begreiflich zu machen, nur verwirrend wirken müssten. ״Am Ende,“ meinte er, ״könnte Herr Prof. Haupt seine Beweisführung auf alle Juden ausdehnen und sie alle von Ariern abstammen lassen.“ Herr Dr. Y a h u d a - Berlin kritisierte in eingehender Weise die unwissenschaftliche Art, wie Prof. Haupt seine Hypothese von der arischen Abstammung Jesu zu beweisen suchte. Wenn Herr Prof. Haupt einen Vortrag über einen wissenschaftlichen Gegenstand halten wolle, so könne man ihm dafür nur dankbar sein. Ob man ihm nun in.allen Einzelheiten beistimmt oder nicht, bleibt sich gleich. ״Ich frage aber,“ fuhr er fort, ״ob es sich mit dem Ernst wissenschaftlicher Arbeit, zu der man sich auf diesem Kongress versammelt hat, vereinbaren lässt, dass man einen Vor-

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