Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IV (1908)
- Issue
- 8 (14.8.1908)
- Date
- 1908-08-14
- Page
- Seite 62 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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62 LITERATURBLATT No. 8 reform“ und ״Drusen“ sind, wenn anders man wirklich so knapp mit, dem Raume wirtschaften musste, entbehrlich; der Artikel ״Nationalbibliothek“ viel zu wenig orientierend. Für die Ungleichmässigkeit und mehr oder weniger geringe 'Straffheit der Artikel sind die einzelnen Verfasser nicht verantwortlich; den ungefähren Umfang der einzelnen Artikeln in Reihen oder Worten je nach ihrer Wichtigkeit zu bestimmen, war Sache der Redaktion. Der Artikel über jüdische Studentenverbindungen könnte in diesem Sinne als Normalartikel gelten. Auch die Literaturangaben hätten gleichmässiger und umfassender angegeben sein können; sie sind, wenn man auf einem Gebiete weiterzuarbeiten wünscht, doch das Wichtigste. Ich habe absichtlich lange bei all den Einzelheiten verweilt, nicht um zu nörgeln und zu kritisieren, sondern weil ich annahm, dass für eine eventuelle Neubearbeitung oder m’ch nur Neuauflage jeder Wink angenehm ist. Als Ganzes habe ich )las Werk gleich am Beginne dieser Anzeige gelobt. — Es wird sich als Nachschlagebuch in unserer aller Händen bebewähren. G 0 11 h 0 1 d W e i 1. Krankenhauswesen und Heilstättenbewegung im Lichte der Sozialen Hygiene von Dr. A. Grotian. Verlag' von F. C. W. Vogel, Leipzig 1908. Aus zweierlei Gründen verdient dieses Buch eines bekannten Sozialhygienikers die grösste Beachtung seitens der jüdischen Korporationen. Einmal wird darin das Wesen deri Schutzsiedlungeri (Asyle) für körperlich und geistig defekte. Personen ausführlich besprochen (Blinde, Taubstumme, Trunksüchtige, Idioten, Geisteskranke, Krüppel, Epileptiker). Es wird die dauernde Fürsorge für diese Personen als eine Pflicht des voll arbeitsfähigen Teiles der Gesellschaft ausdrücklich betont. Ob wir Juden diesen unseren Lieblingen schon jetzt eine ausreichende Anstaltsbehandlung zu teil werden lassen, möchte Referent bezweifeln; es fehlt z. B. bisher ein Invalidenheim. Der zweite Grund, der zum Studium dieses Buches auffordjert, ist die Steilung der praktischen Theologie zur Medizin. Die religiösen Vereinigungen haben auf dem Gebiete des Krankenhaus Wesens anfeuernd, bahnbrechend und experimentell gewinnt, insbesondere haben sie sich um die rationelle Ausbildung eines Pflegepersonals Verdienste erworben. Diese Pioniertätigkeit muss aber zwecks Durchführung der Vertilgemeinerung von den staatlichen und städtischen Behörden abgelöst werden. Auf dem Gebiete des Asylwesens haben sich Theologen, insbesondere von Bodelschwing'h, ausserordentliche Verdienste erworben, indem sie ökonornisch wertvolle Arbeit in den Anstaltsbetrieb einführten, und so den Insassen zur grösstmöglichen subjektiven Befriedigung verhalten. Der Gedanke einer Paarung zwischen Theologie und Medizin ist dem Judentum nicht neu, seine ganze Sozialhygiene ist aus diesen Komponenten innig gemischt. Daher, meine ich, dürften Grotiahns Ideen unsere volle Würdigung finden. Die Darstellung, ist populär in bestem Sinne, fast mehr für Nichtmediziner als Mediziner geschrieben, so dass jeder Gebildete das Buch