Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IV (1908)
- Issue
- 7 (24.7.1908)
- Date
- 1908-07-24
- Page
- Seite 52 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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52 LITERATURBLATT No. 7 die von den Vätern ererbte Kulturgemeinschaft fortsetzen wollten, die wahren und echten Bestrebungen zeitgemässer und mit dem Geiste des Judentums im Einklänge stehender Verbesserungen in Misskredit brachte. (Wird fortgesetzt.) Literaturbericht David Kaufmann, Gesammelte Schriften, Erster Band, Herausgegeben von M. Brann. Frankfurt a. M. Kommissionsverlag von J. Kauffmann. 1908. 393 S. 8 °. Selbst wer David Kaufmann noch nicht kennt und wer an Abhandlungen aus dem Gebiet der ״jüdischen Wissenschaft“ etwas misstrauisch herangeht, wird sich sehr bald im Banne dieses liebenswürdigen und schwungvollen Gelehrten finden. Aus all den Aufsätzen, die hier zusammengetragen sind, spricht eine fortreissende Persönlichkeit, bei der eindringende Kenntnis des Judentums und Liebe zum Judentum eine untrennbare Einheit geworden sind. Wir müssen dem Herausgeber Dank wissen für die Sammlung dieser Schriften, aber er erweist in seinem Vorwort dem von ihm verehrten Forscher einen schlechten Dienst durch seinen plumpen Seitenhieb auf die ״einseitige Modeströmung“, die ״diese Seite des Judentums (das Volkstum) auf ihre Fahne geschrieben“ hat. Ein solches nicht von abgeklärtem Verständnis zeugendes Wort gehört nicht in eine Einleitung wissenschaftlicher Schriften, am wenigsten David Kaufmanns. Denn Kaufmann war ein Nationaljude vom reinsten Wasser und in durchaus zionistischem Sinne. Man lese nur die prachtvolle Besprechung von George Eliot’s Daniel Deronda, aus der wir nicht umhin können, einige Sätze herauszuheben. ״Aber mehr als bloss׳ eine Religion war das Judentum seinen Bekennern zu allen Zeiten sicherlich“. ״Man kann es kühn behaupten: das Judentum von heute ist im Erwachen und Erstarken seines nationalen Selbstbewusstseins be. griffe n.“ ״Einen bezeichnenden Beleg für diese Wandlung' möchte ich auch in dem, nunmehr auch von jüdischer Seite ungescheuten Gebrauch des Wortes: ״Juden“ erblicken, für das man früher halb schüchtern und verschämt Israeliten und noch andere Bezeichnungen anwendete.“ ״Wird der staatenbildende Dang der Nationalität . . . auch die Juden dazu fortreissen, mit ihren jahrtausendealten Hoffnungen Ernst zu machen und ihr zahmes Sehnen in ein ungestümes Handeln zu verkehren?“ . . . ״Aber trotz aller Polterhaftigkeit und alles Gezänkes kann die Tatsache nicht geläugnet werden, dass dem grössten Teile des jüdischen Volkes auf der Erde Palästina mehr ist als ein geographischer Begriff.“ ״Wer will es wagen zu behaupten, die unwägbare Masse unbestimmter Ahnungen,, dunklen Dranges, die im Laufe der Jahrhunderte in der jüdischen Volksseele ,sich eher vermehrt als vermindert hat, werde wirkungslos sich verflüchtigen?“ Und armklarsten drückt er sein nationaljüdisches Bekenntnis.