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Jüdische Rundschau · 1908-07-24 · 7 (24.7.1908) · p. Seite 53

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IV (1908)
Issue
7 (24.7.1908)
Date
1908-07-24
Page
Seite 53 (sequence 5)
Language
German
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No. 7 LITERATURBLATT 53 in den Worten aus :״D er Jude verlangt sein Recht als A n g ehöriger seines Stammes, er will als vollbürtiges Mitglied! eintreten in die Gemeinschaft der Völker, das Blut der Propheten wallt auf in seinen Adern, die Stimme der Gottheit ruft ihn an, er weiss und bekennt und' betont sogar, dass er anders ist als die übrigen; ein Ende hat die Gleichmacherei.“ Dieser aufrechte Judenstolz geht durch alle Schriften Kaufmanns. Neben ihm aber erfreut uns eine Stilkunst, dei auch kleine hingestreute Splitter der Wissenschaft zu einer genussreichen Lektüre zu gestalten versteht. Alles rundet sich zu geschlossenen Bildern von hoher künstlerischer Kraft ab. Diese Fähigkeit, ein B i 1 d zu formen, tritt am schönsten in den meisterhaften Lebensbildern hervor, die Kaufmann von hervorragenden׳ Gelehrten entwirft. Das hervorragendste ist vielleicht der Aufsatz über Franz Delitzsch, von einer bewunderswürdigen Glut der Sprache, von einer prachtvollen Charakteristik und einer weisen Gerechtigkeit. Ebenso vollendet wird die Gestalt von Graetz, von Frankel, Rapaport, Sachs, Perles, Zunz vor unsrem Auge aufgebaut. Einige kritische Studien wiederum zeigen ein anderes, aber in ihrer Art ebenfalls vollendetes Gepräge. Eine liebenswürdige überlegene Ironie, die aber auch derb und fest zugreifen kann. Überall verstreut und in die Darstellung zwanglos hineingewoben finden wir eine profunde Gelehrsamkeit, die so weit in kleinste Einzelheiten geht, dass man sich wundern muss, wie sie immer wieder den Weg zur Anschauung des Ganzen zurückfindet. Eine ganze Reihe anderer Aufsätze, über Heines Geburtstag, die Juden in England, zur Geschichte der Kunst in den Synagogen usw. zeigen Kaufmanns Vielseitigkeit. Über allem Einzelnen aber steht seine von jedem, der ihn kannte, bewunderte Persönlichkeit anregender Forscher, .als bezaubernder Mensch und als begeisterter Jude, E. Auerbach. Das Buch Joram. Von Rudolf Borchardt. Im Insel-Verlag, Leipzig 1907. Es ist nicht leicht, über dieses kleine Buch in ein paar Worten zu sprechen. Eine so gewaltige Eigenart spricht aus ihm, dass man erst Stunde um Stunde es wieder und wieder lesen muss, um in seinem Geiste zu leben und zu begreifen. In biblischem Gewände tritt es auf, in bewusster Anlehnung an die Sprache Luthers; aber es enthält Stellen von einer Majestät des Wortes, für die man wohl vergeblich ein Gleichnis in Luthers Bibel suchen wird. Indem es grundsätzlich darauf verzichtet, Gefühle zu zerfasern, um sie deutlich zu machen, meisselt es mit machtvollem Schlage Grundgefühle der menschlichen Seele heraus. Das Buch Joram ist nur für Nachdenkliche; das alte Problem von Schuld und Sühne, der alles erstickende Drang zur Mutterschaft, die Geburt der Erlösung aus dem tiefsten׳ Leiden, das sind die Pfosten, auf die sich diese tief ergreifende Erzählung stützt. Sie kann dem 'Besten beigeselfÜ werden, was in dieser Dichtgattung'je geschaffen ׳'worden ist: ea.

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