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Jüdische Rundschau · 1908-07-24 · 7 (24.7.1908) · p. Seite 51

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IV (1908)
Issue
7 (24.7.1908)
Date
1908-07-24
Page
Seite 51 (sequence 3)
Language
German
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No. 7 LITERATURBLATT 51 dieser Zersetzung ausdrücklich die Förderung der angeblichen Reformbestrebungen. . Bald nach dem Aufruf vom 2. April 1845, an dem die iüdisehen Vorfahren christlicher Nachkommen in erster Linie Dr. Stern und A. Bernstein, beteiligt waren, ging man an die Einrichtung eines Berliner Reformgottesdiienstes zunächst in gemieteten Räumen. Nachdem ein anderer Versuch gescheitert war, wurde das Komiteemitglliied Rebenstein nach Magdeburg gesandt, um den dortigen Prediger Dr. Ludwig Phiilippson dazu zu veranlassen, am Neujahrsfeste und Versöhnungstage die Festpredrgten zu übernehmen. Philippson״ der für die Neugestaltung des Judentums jugendlich begeistert war, leistete erfreut diesem Rufe Folge und stellte seine hervorragende Rednerkraft in den Dienst der neuen Sache, von der er sich im Sinne der Kultur e׳:nen Neuaufschwung des jüdischen Geistes versprach. Aber er wurde in Berlin gründlieh enttäuscht. Miit Schrecken sah er, dass hier unter dem Namen der ,,Reform“, für die er wahrhaft begeistert war, sich ein Strebertum verbarg, das den Mitgliedern des Komitees vielleicht selbst verborgen war, das aber genau das Gegenteil dessen war, wofür der von der historischen Grösse des Judentums erfüllte Prediger arbeitete. Er trug kein Bedenken in der von ihm begründeten Allgemeinen Zeitung des Judentums, die der Reform im Judentum dienen wollte, diiese Pseudoreform als den Ruin des historischen Judentums hinzustellen. So musste man darauf verzichten, diesen aufrechten Mann und überhaupt einen aus Deutschland gebürtigen Rabbiner oder Prediger für die Genossenschaft als Prediger zu gewinnen. Um die Synagoge zu verdeutschen, musste man sieh schliesslich!einen ausländischen Juden heranholen, ein Zustand, der seitdem typisch geworden ist. Der im polnischen Talmudismus mit seinen Ausartungen grossgewordene Rabbiner Samuel Holdheim, dem ebenso wie seinem tieferdenkende,n Landsmann Sälomon Maimon jedes Gefühl für die Ästhetik des Gottesdienstes wie für diie deutsche Sprache abging, wurde als Prediger der Reformgenossenschaft gewonnen und fand nun seine Lebensaufgabe darin, den Gottesdienst deutsch und ästhetisch zu gestalten. Das Wesentliche aber war. dass der Reformgründsatz durchgeführt wurde, wonach der Rabbiner nur der Angestellte des Vorstandes sei, und dass man dem Laien, nicht dem durch jüdische Fachbildüng voreingenommenen Rabbiner die ausschlaggebende Stimme über die Gestaltung der gottesdienstlichen Formen einräumte. Dabei rief man nach dem Geist der Religion und eiferte gegen die Formen, richtete aber das Augenmerk ausschliesslich auf d:e Einführung neuer Formen, die sich von den alten dadurch unterschieden, dass s'e nicht im historischen Boden wurzelten und dass ihnen jede Poesie abgeht. Dazu kam als allerschlimmste Folge einer selchen systematischen Zerstörungsarbeit, dass sie in den Äugen und Herzen aller aufrichtigen Juden, die mit edlem Stammesgefühl

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