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Jüdische Rundschau · 1908-07-24 · 7 (24.7.1908) · p. Seite 50

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IV (1908)
Issue
7 (24.7.1908)
Date
1908-07-24
Page
Seite 50 (sequence 2)
Language
German
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50 LITERATURBLATT No. 7 lieferung tilgen wollten, um an seine Stelle das blosse Bekenntnis des einen übrigens deistisch verflüchtigten Gottes zu setzen. Dass die Regierung sich in ihrer Erwartung nicht getäuscht hat, ergibt sich ja aus der Tatsache, dass die Nachkommen dieser Gründer der frefgeistigen Bewegung und zum Teil sie!noch selber zum Christentum übergingen und dort sehr bald den Weg zu einem äusserlich besonders frommen Christentum fanden. Unter dem Einfluss der getauften und der reformsüchtigen Juden verliess also die Staatsregierung ihren alten Standpunkt, der ohne Hineinreden des Staates in d:e inneren Angelegenheiten des Judentums die Zerspllitterung der Gemeinden vermieden wissen wollte, und machte dem Grundsatz Platz, dass eine Einmischung der Staatsbehörden in die Differenzen, die unter den Juden über ihren Kultus entstehen mögen, zwar nicht statthaft und es lediglich der Juden eigene Sache sei, sich darüber zu einigen, was dem Geiste ihrer Religions- Satzungen angemessen wäre oder!nicht, dass aber auch, wo es zu einer solchen Einigung nicht käme, einer Trennung in verschiedene Gemeinden nicht hindernd entgegenzutreten sei. Das war ein folgenreicher Sieg jener Sondergruppe, die im Jahre 1845 zusammentrat, um die Genossenschaft für Reform im Judentum zu begründen. Von dem Komitee, das aus Dr. Stern, Rebenstein, Ludwig Lesser, Carl Heymann, M. Simion, Dr. E. J. Behrend, Adolph Meyer und J. N. Friiedländer bestand, wurde am 2. April 1845 ein Aufruf versandt, der zum!ersten Male jene liberalisierenden Theoreme breitspurig zusammenfasste, die so viele Juden langsam zum Taufbecken geführt haben. Von den Familien der Gründer der Reformgerpeinde gehört längst kein einziger mehr unserer Gemeinschaft an. Auch die Nachkommen der weiteren Gründer dieser Genossen- Schaft sind nicht mehr Mitglieder unserer Gemeinschaft und gehören heute zum Teil bereits Parteien an, in deren Programm die Bekämpfung der Juden und ihre Ausschli'essung von öffentlichen Ämtern ein wesentlicher Punkt ist. Damals freilich konnte es dem weniger tief Blickenden manchmal erscheinen, als habe er in diesen Angehörigen des jüdischen Kapitalismus die Vertreter der Gleichberechtigung der Juden als solche vor sich, während die Männer, deren Auge nicht an der Oberfläche haften blieb, erkennen mussten, dass es sich bei ihnen nicht um die Emanzipation der Juden, sondern um ihre persönliche Emanzipation vom Judentum, das von ihnen lästig empfunden wurde, handelte. Die Leitung des Staates selbst hatte noch nicht eingesehen, dass eine Begünstigung dieser alles Althergebrachte Vernemenden eine Gruppe gross zog, die auch kein Verständnis für das historische Herkommen im Staate haben konnte, ohne darum freilich irgendwie freiheitlich gesinnt zu sein. Aber d;!e bereits in die politisch massgebenden Kreise ein getretenen getauften Juden, deren eigenstes Interesse dahin ging, dass das Judentum einem möglichst schellen Verwesungs- Prozess unterliege, empfahlen der Regierung als Unterstützung

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