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Jüdische Rundschau · 1908-07-24 · 7 (24.7.1908) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IV (1908)
Issue
7 (24.7.1908)
Date
1908-07-24
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Literaturblatt der Jüdischen Rundschau Beilage zu ,Jüdische Rundschau“ Jahrg.XlII.N0.33 Herausgegeben von Br. Heinrich £oewe. (5 Redaktion: BERLIN N. W. 52, Melanchthonstrasse 4. No. 7. Berlin, 25. Tammus 5668 — 24. Juli 1908 Jahrg. IV Aus der Geschichte der Berliner Judeuschaft. II. Das wurde anders, alls die jüdische Reformbewegung immer stärker einsetzte, die ja ganz und gar keine Reform des Judentums, sondern nur eine Besserstellung der einzelnen Juden bezweckte, und die deshalb ganz parallel mit der Trennung vom Judentum bei so vielen den gleichen Kreisen Angehörigen ging, dr'e ohne Umwege durch die Taufe demselben Ziele für sich persönlich zustrebten. In den dreissiger und vierziger Jahren des Neunzehnten Jahrhunderts grassierte die Sucht sich taufen zu lassen in besonders hohem Masse (in allen den Familien, die reich genug geworden waren, um sich für würdig zu erachten, die Ämter und Ehrenstellen einzunehmen, die ihnen vor enthalten blieben, wenn sie zu gewissenhaft waren, einen Glauben mit den Lippen zu b'ekennen, von dem ihr Herz nichts wusste. Diese getauften Juden fingen damals an, jenen Einfluss!im Staate zu gewinnen, in dessen sicherem Besitze sie sich heute zu wissen glauben. Sie waren aus persönlichem Interesse an der Theorie des christlichten Staates deshalb besonders beteiligt, weil sie durch die Taufe ja ihr Bekenntnis aber nicht ihren Stamm wechseln konnten. In ihrem persönlichen Interesse lag es ebenso sehr, de!n׳ christlichen Charakter des Preussischen Staates anstatt den deutschen zu betonen, wie das Judentum, dessen Stammesgemeinschaft sie angehörten und sogar jetzt nach zwtei und drei Generationen noch nicht abgelegt haben, für eine blosse Glaubensgemeinschaft ansehen zu lassen. Die Preussische Monarchie wurde durch sie und ihre Bluts- und Gesinnungsverwandten, die denselben Weg erst später■ gingen, für das Reformjudentum interessiert, von dem sich die Staatsregierung mit Recht versprach, dass durch dies der äussere Abfall und die innere Schwächung der Judenheit erreicht würde. Gleichzeitig mit dem Betonen des christlichen Staatsgedankens inPreussen setzten daher in Berlnn in bedeutend verstärktem Masse die Be- Strebungen ein, die alles Stammestiimliche aus der jüdischen Über-

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