Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IV (1908)
- Issue
- 6 (3.7.1908)
- Date
- 1908-07-03
- Page
- Seite 47 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/8295971-4781796-8238403--690-8190306- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
So. 6 LITERATURBLATT 47 Notizen Die Jiilnammer der Zeitschrift PALÄSTINA beschäftigt sich vor allem mit dem jungen Frauenbund für Palästina (Verband jüdischer Frauen . für Kulturarbeit in Palästina). Dr. med. R a h e 1 Straus befasst sich ,in einem längeren Artikel mit der Frage der Notwendigkeit und den Arbeitsmöglichkeiten eines Vereines und erweitert damit das Programm n umsichtiger Weise. Über die ersten positiven Arbeiten berichtet Betty Leszynsky (Berlin).■— Eine; Reihe wichtiger ■.Mitteilungen aus Palästina, teils vom Palästina-Komitee, teils von eigenen Berichterstattern aus Erez Israel, teils der Presse entnommen, zeigen die unermüdliche praktische Tätigkeit. Theoretisch behandelt einen wichtigen Punkt ein kurzer Artikel ,Die Hotelfrage“. — Vor allem reichhaltig ist der allgemeine Teil gestalten. Pastor Eberhard hat sich mit einem glänzenden Artikel über die jüngsten Ausgrabungen und die Bibel eingestellt, der sicher alle Kreise des Judentums fesseln wird. Den Lesern der RUNDSCHAU ist wohl be- Kannt, dass Oberlehrer Car leb ach seinen Mitarbeitern an der Lämelschule einige Worte widmet (mit den Bildern). Aus dem weiteren Inhalt greifen wir -besonders noch eine Abhandlung über die Finanzen der Türkei heraus, verweisen auf die vielen reichhaltigen Rubriken. Die Zeitschrift ist mit dieser Nummer wieder vergrössert worden, doch kann eine durchgängige Verbesserung erst dann eintreten, wenn die Palästinafreunde den kleinen Abonnementspreis nicht scheuen (von 2% Mark־!). (Die Redaktion befindet sich in München, Pettenkoferstr. 25.) Friedhofskunde. In einem Feuilleton über den alten Judenfriedhof in Frankfurt a. M. schreibt Dr. Julius Hülsen, in der FRANKFURTER . ZEITUNG: ״Von der Mitte des 13. Jahrhunderts an bis zu seiner Schliessung im Jahre 1828 war der Friedhof ununterbrochen in Benutzung. Hinter der schmucklosen, altertümlichen Friedhofsmauer erhoben sich über 7000 Grabsteine, samtlieh von einheitlicher, länglich schma- ]er Grundform, bedeckt mit hebräi- 1 sehen Inschriften und geschmückt m!it j massvoll verwendeten, flach ge-־ | meisselten Ornamenten. Einige *kaum j sichtbare, schmale Fusspfade führen! durch das weitausgedehnte, hügelig! gewellte Gebiet, das ganz von üppig ' wildwachsendem Pflanzenwuchs er-•; füllt ist, der sich mit den aufrech-; ten und zusammengesunkenen Stei- Inen fast an Jeder Stelle zu immer | neuen malerischen Bildern vereinigt. | Wohl zu jeder Jahres- und Tages- 'zeit wird man hier ungeahnte, fes- | selnde Eindrücke empfangen und sich | dem unsagbaren Zauber dieser fried- | liehen Stätte ergeben. Wer aber die- Isen Friedhof in seiner schönsten Verklärung schauen will, der eile jetzt j dahin, denn jetzt hat die. Natur dorr j ein Meisterwerk geschaffen, hat die ן weissen, flachen Dolden des Hoflun- | ders in verschwenderischer Fülle {entfaltet, und unter der strahlenden 1Morgensonne versetzt uns dieses milde, feierliche Leuchten der Blütenpracht in die wahre Grundstimmung, die diesem gewaltigen Kulturdenkmale innewohnt, denn hier, herrscht keine todestrajurige Monumentalität. Keine düsteren Symbole der Lebensverneinung, welche die neueren Friedhöfe mit ihrem oft starren ,Prunk manchmal unerträglich. . stimmen, drängen zu jenen trüben, schwerj mutigen Friedhofs-Gedanken, vor , denen so Viele eine unbestimmte! Scheu' hegen. Wer diesen alten | Friedhof durchschreitet, -wird von solchen quälenden Mahnungen frei bleiben. Eine Stimme der Tröstung scheint hier leise zu uns zu dringen, jener Tröstung, welche eine Antwort auf die grosse Rätselfrage des Lebens ist. Keine : Grenzeinfassung trennt die Gräber von einander; alle: Steine stehen dichtgedrängt, gemeinsam auf demselben grünen Plan. Die Enge des Ghettos hatte die Lebenden aneinander geschlossen; so blieb es auch bei den Toten. Da der Friedhof nicht erweitert werden durfte, musste der Boden wiederholt aufgehöht werden, damit in der neuen oberen Schicht weitere Beerdigungen stattfinden könnten. Die Grabsteine der unteren Schichten wurden dann jedesmal in die Höhe genommen, um pietätvoll die Grabesstätte kenntlich