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Jüdische Rundschau · 1908-07-03 · 6 (3.7.1908) · p. Seite 46

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IV (1908)
Issue
6 (3.7.1908)
Date
1908-07-03
Page
Seite 46 (sequence 6)
Language
German
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46 literäturbl?att No. 6 nicht zu begreifen vermöchten, wenn nns in die ifMis.ch’e Tradition ieghcinw Einblick fehlte.“ Wir. die wir die jüdische Tradition mit dem Ausblick auf eine Renaissance weiterspinnen, die wir eine öffentlich-rechtlich ge- .sicherte Heimstätte dieser _ Tradition in Palästina zu bereiten im Begriffe :sind, vermögen das Historische zu würdigen und können dem Brachvogel nachfühlen. Darum ■vermögen wir um so leichteren Herzens über kleine Mängel hinwegzusehen und dem Faden der lebendigen Erzählung zu folgen. Wir wünschen um so rnehr, dass das Buch Leser findet, als ja eben der Kreis der Darstellung aus jüdischem Gebiete ein recht kleiner ‘ist. und insbesondere der Kreis, dessen Stoffe der jüdischen Geschichte, abgesehen von unserem biblischen Altertum, entnommen sind. Wir ־wünschen dien! Brachvogelschen Buche eine recht grosse Leserschaft, die es mit demselben Genuss lesen mögen, wie \y:!F selbst. N, H. O. C, Samson Cohn (c h r i s 11. Religion) von Trebron, Berlin, Louis Lamm 1908. Samson Cohn, christlicher Religion. In dem Titel liegt die Tendenz. Wer nicht nur gegen, das Assimilations-Judentum predigen, sondern es auch verlachen will, wird an den flotten Versen seine Freude haben. Das Heft eignet sich durch den billigen Preis zum Tombola- 1gewinn bei Vereinsfesten. B. ״Kulturhistorische Kriminal-Prozesse der letzten vierzig Jahre.“ Band 1 von Hugo Friedlaender, mit einem Vorwort von Rechtsanwalt Dr. jur. Werthauer. Verlag Continent. G. m. b. H., Berlin W. 50, erschienen. Geheftet 1 Mark. Die stattliche Broschüre stellt eine neue Erscheinung auf dem Büchermarkt dar. Der Verfasser schildert in allgemeinverständlicher, anschaulicher Weise die kulturhistorisch bedeutendsten Kriminal-Prozesse der letzten 40 Jahre, denen er als Berichterstatter beigewohnt hat. Der erste Band bringt 18 interessante Fälle, darunter: den Prozess wider Leutnant a. D. v. Zastrow, den Hochverratsprozess gegen Hödel, den Tisza-Eszlarer Ritualmord-Prozess, den Neustettiner Synagogenbrand-Prozess. das Dynamit-Attentat bei Enthüllung des Niederwald-Denkmals, den Skurczer Knabenmord und den Geheimbundprozess wider die Reichstagsabgeordneten v. Vollmar, Bebel und Genossen. Die Sammlung wirft grelle Schlaglichter auf die Kultur- und Sittlichkeitsverhältnisse unserer Zeit. Friedlaenders Darstellungen, die aus eigener Anschauung geschöpft sind, haben für uns Wert durch die objektive Art seiner Betrachtung. Unsere Freunde werden aus der Schilderung der Prozesse von Tisza-Eszler, Neustettin und Skurcz manches lernen können. Es ist für ein Volk nur gut, wenn es historisches Gedächtnis hat. Und daran hat es uns leider so lange schon gemangelt. Kleinigkeiten sei zur Erläuterung hingewiesen. So lässt Brachvogel (z. B. Seite 19) den Helden seiner Erzählung nach Art christlichen Kreuzsehlagens ..in orientalischem Grusse das heilige Zeichen beschreiben“ oder gar die Heldin (Seite 32) in diesem Sinne .,das Segenszeichen vor ihrer Stirn“ machen. Dass jüdische Wörter entstellt werden, ist nicht s0׳ schlimm. Das kennen wir ia zur Genüge und ist bei anderen Schriftstellern viel mehr der Fall. Besonders wird da gern der Plural auf ״im“ anstelle des Singular gesetzt (z. ß. Seite 44: ״ein Giborim“). wie die Russen einen Karäer einen ״Karaim“ nennen und davon eine weitere Pluralform ״Karaimy“ bilden. Für Brachvogels Auffassung haben wir Verständnis, wenn er sich so am Beginn seiner Erzählung resümiert: ״Die heutigen modernen Israeliten sind uns eigentlich sehr gleichgültig. An diesem Volke lieben wir nur seine Tradition, die Weisheit seiner Väter, von der es heute ■selbst nicht gar sehr viel mehr weiss. Wir lieben eben ihre Tradition, weil sie die Mutter der unserigen ist und wir unsere eigene Entwicklung

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