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Jüdische Rundschau · 1908-07-03 · 6 (3.7.1908) · p. Seite 45

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IV (1908)
Issue
6 (3.7.1908)
Date
1908-07-03
Page
Seite 45 (sequence 5)
Language
German
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No.6 LITERATURBLATT 45 Judentum zum Zwecke der Erreichung der Gleichstellung seiner einzelnen Mitglieder abzuschwächen und seiner überlieferten Form zu berauben, begegnete sich mit dem Streben der damaligen Staatsregierung in Preussen, den Charakter des christlichen Staates, der von dem ehemalEgen Juden Stahl theoretisch begründet und vorlangt wurde, durch die Schwächung des nach der Zahl seiner Bekenner ohnehin schwachen Judentums deutlicher im die Erscbeinurig treten zu lassen. Diese Lehre steht zu der deutschnationalen Theorie, mit der sie sich zeitweilig Hand in Hand zu gehen bemüht, in einem unüberbrückbaren Gegensatz. Das trifft besonders auf ihr Verhältnis zur Judenfrage zu. Während ehrlicher deutscher Nationalismus nur wünschen kann und muss, dass das kleine Häuflein Juden in seiner Mitte statt eines pseudodeutschen Nationalgedankens seine stammestümliiche Eigenart wahrt und so das Deutschtum vor dem dauernden Eindringen getaufter, also gewissenloser Juden hütet, strebt der angeblich oder vermeintlich christliche Staat danach, die Juden nach Möglichkeit zu einer wenn auch unaufrichtigen Taufe zu veranlassen. So lange noch auf Grund der Volkserhebung und der Befreiungskriege trotz mancher Reaktion der nationale Standpunkt im Staate einigen Einfluss hatte, wollte man keineswegs die Einheit und den stam- ) uestümliichen Charakter der Judenheit direkt zerstören. Man tmpfand, dass jedes Zerstören dieses Zustandes cfem Staatsganzen ebenfalls schaden müsse. Eieshalb sollte auch der Gottesdienst der Juden nach dem hergebrachten Ritus und dem alten Herkommen abgehalten werden und im Interesse des Staatswohles sollte der Minister des Innern, dem die jüdischen Angelegenheiten ebenso unterstanden, wie e4s׳ nach der heute noch giltig’en preussiischen Judenverfassung der Fall ist, ganz besonders darauf halten, dass durchaus keine Sekte unter der Judenschaft zu dulden sei. (Wird fortgesetzt.) Literaturbericht Simon Spira und sein Sohn von A. E. Brachvogel. Erzählung. Zweite Aufläge. Berlin: Otto Janke 0 908). 140 S. 8. Kollektion Otto danke. Preis 1 Mark. Dass nichtjüdische Autoren in objektivem oder gar wohlwollendem Sinne jüdische Sujets zum Gegenstände ihrer Darstellung nehmen, sind wir in letzter Zeit wenigstens in Deutschland, wo auch Juden sich dessen scheuen, gar nicht mehr gewöhnt. , Um so mehr freut ea׳ uns, dass Brachvogel sein bekanntes Erzählertalent dazu benutzt hat, eine interessante Episode, die Verteidigung Prags durch die Prager Judenschaft am Schluss des dreissigjährigen Krieges in einer recht lebendigen und flotten Erzählung darzustellen. Dass er als Nichtjude recht־ oft ein recht schiefes Bild von jüdischen Zuständen und Ansichten auch aus jener Zeit gibt, schadet deshalb nichts, weil der nichtijiidische Leser daran keinen Anstoss nimmt und der jüdische Leser stillschweigend zu korrigieren imstande ist. Auf einige

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