Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IV (1908)
- Issue
- 5 (22.5.1908)
- Date
- 1908-05-22
- Page
- Seite 39 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 5 LITERATURBLATT 39 re sie einer Synagoge entdecht, die 'aus der Zeit der im Jahre 1505 stattgefundenen blutigen Juden- Verfolgungen in Budiweis stammen dürften. Das Gotteshaus muss für die damaligen Verhältnisse, wenn auch klein, doch sehr schön ausgestattet gewesen sein. Der Raum ist quadratisch, hat fünf Meter Seitenlänge, ist drei Meter hoch, die gotische Wölbung beträgt ungefähr sieben Meter. Die Wände sind trotz der vielfachen baulichen Veränderungen, denen das Haus in den nachfolgenden Jahrhunderten unterworfen gewesen ist, gut erhalten. In den Ecken der Mauer sind von fünfarmigen Konsolen ausgehende Rippenbände.r zu sehen, welche einen Stern bilden. Auch ist ein bandförmiges Ornament sichtbar, in dessen Mitte sich eine fünfblätterige rote Rose mit gelbem Stempel befindet. Die Rose ist jedoch identisch mit der Rose in Wappen des Geschlechtes der Rosenberge. Auf den Wänden, besonders auf der Ostseite, sind ziemlich deutliehe Graphite zu sehen. Das interessante Baudenkmal ist noch nicht vollständig blossgelegt, doch scheint der rechte Flügel als Wohngebäude, der linke als Synagoge gedient zu haben. Zum Synagogenfunde in Budweis. Die NAR. POL. vom 22. d. Mts. berichtet nachstehendes: Dem bekannten Sammler historisch-archäologischer Denkwürdigkeiten im Süden Böhmens, FFranz Mir. Capek, Schriftsteiler in Budweis, gelang es, eine altertümliche Synagoge in Budweis auf zu decken. In dem unter seiner Aufsicht umgebauten Hause in der Sterneck- (früher ״Juden“-) gasse No. 17, wurden nach Entfernung der oberen Ziegelschichten und des An- Wurfes altertümliche, etwa aus. dem 17. Jahrhundert stammende Gegenstände gefunden als: Konsolen, gothische Rippen,' . Graphite und hebräische Inschrifteh, deren Her-־ kunft Herr Capek mit anderen Sachverständigen in das 14. Jahrhundert verlegt. Diese Funde zeigen deutlich den Charakter und Umfang der ersten Synagoge in Budweis, welche mit der reichen Geschichte der jüdischen Gemeinde׳ daselbst innig verknüpft ist. Insbesondere ist das Jahr 1505 mit Blut geschrieben, denn in diesem Jahre erhob sich die Gemeinde gegen die Juden, verwies sie auf Grund eines Erlasses Vladislaw II. für ewige Zeiten aus der Stadt, nachdem 9 Juden auf dem Marktplatze verbrannt worden waren und zahlreiche bei der Vertreibung durch das Moldautor ihren Tod in den Wellen gefunden hatten. Die Ursache hierzu gab ein Ritualmordmärchen. In der Nähe des Schlosses Hardegg in Niederösterreich wurde nämlich im Jahre 1505 ein Hirte Stefel aus Pleising bei Retz gefänglich eingezogen, welcher behauptete, dass er am St. Veitstage dem Juden Michl, der vom Budweiser Rabbiner zu ihm geschickt worden sei, für 32 rheinische Gulden einen sechsjährigen Christenknaben verkauft habe. Michl habe den Knaben das Herz herausgeschnitten, die Adern geöffnet und das Blut in Flaschen abgezogen. Was an diesen Gerüchten Wahres und was übelwollende Erfindung der fanatischen Feinde der Juden war, lässt sich heute nicht mehr feststellen. Der Stadrat von Budweis begab sich auf diese Gerüchte hin an den Hof Vladislaw II. und nach langer Untersuchung und verschiedener Einvernahmen des Stefel und seiner Frau* wurden diese mit dem Strange hingerichtet und die Juden aus Budweis ausgewiesen. Gleichzeitig er- Hess der König ein Dekret an den Kanzler Albreeht Kolowrat zu Libstein mit dem Aufträge, alle Schuldigen, wo immer sie im Königreiche ergriffen werden sollten, verbrennen zu lassen, oder der Stadt Budweis zu diesem Zwecke, auszuliefern. Die• Bewegung dauerte länger an,, denn im Jahre 1506 wurden abermals 14 Juden verbrannt, und 19 KKnaben, 4 Mädchen und 2 Männer getauft. Die judenfeindliche Haltung .der Stadt hielt auch , die weiteren Jahrhunderte an und erst das Jahr 1848 öffnete wieder den Juden die Tore der Stadt. Das Blatt bemerkt hierzu, dass die Juden alle Verfolgungen der deutsehen Stadtverwaltung vergessend..