Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IV (1908)
- Issue
- 4 (15.4.1908)
- Date
- 1908-04-15
- Page
- Seite 30 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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30 LITERATURBLATT No. 4 stimmtheit annehmen, dass die restlichen Summen durchdie Werbearbeit des Hilfsvereims und der für das Zustandekommen des Projektes interessierten Kreise über kurz oder lang werden aufgebracht werden. Und so' kann man denn schon heute vom' Jüdischen Technikum als einer Tatsache der nächsten Zeit sprechen. Der Plan, eine jüdische Hochschule in Palästina zu errichten, ist bekanntlich kein neuer. Er ist in nationaljüdischen Kreisen des öfteren aufgetaucht und hatte unter anderen einen warmen Fürsprecher in dem. geistigen Vater unseres Nationalfonds, Professor Schapira, der ein Jahrzehnt vor den Kongressen und dann auf dem ersten Zionistenkongresse dafür begeistert eintrat. Später wurde dann der Plan einer jüdischen Hochschule in einer Broschüre der demokratisch-zionistischen Fraktion ohne Palästina besonders zu betonen, erörtert. Dass auch in manchen nichtzionistischen Kreisen die Idee einer Hochschulgründung in Palästina sich in den letzten Jahren aus einer klaren Betrachtung der kulturellen Zerstörungsarbeit der Diaspora einerseits und der positiven Kulturkraft Palästinas anderseits immer mehr durchgerungen hat, beweist der iiingste Vorschlag des Professors an der Universität Cambridge, Israel Abrahams, der auf die Errichtung einer Universität in Jerusalem hinzielte. Das vom Hilfsverein geplante Institut dürfte nach Informationen der WELT seinem Grundcharakter nach einem der deutschen (Koethen, Marburg. Mittweida usw.) Technika ähneln, angepasst natürlich an die Verhältnisse und Bedürfnisse des Orients. Voraussichtlich wird es mit einer Vorschule (Vorbereitungsschule) verbunden sein, die die fürs Technikum bestimmten Zöglinge in den elementarsten Kenntnissen unterweisen wird. Im palästinischen Schulwesen, das nun in organischer Weise sich aufzubauen beginnt (Kindergarten. Volksschule, Gymnasium, Handelsschule, Bezalel, Lehrerseminar) wird das Technikum vorläufig die Spitze bilden, bis endlich eine Universität den Abschluss machen wird — noch vor nicht zu langer Zeit ein Traum, jetzt eine in der Wirklichkeit, im Zeitbedürfnis wurzelnde Hoffnung . . . Dem vom Hilfsverein gebildeten Komitee, das als Kuratorium des geplanten Technikums fungieren soll, gehören nach der WELT u. a. Achad- Haam (Uscher Ginsberg) und Dr. Schemarja Lewin an. Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin N. 24, Artilleriestrasse 14. Verzeichnis der i m Sommer-Semester 1908 zu haltenden Vorlesungen. Dr. Baneth wird lesen: 1. Talmud. Synhedrion, Kap. I, 4 Stunden. Montags und Mittwochs 11 bis 1 Uhr. 2. Talmud babli, Nedarim, Kap. VII ff., 4 Stunden, Montags und Donnerstags 8—10 Uhr. 3. Talmud jeruschahni, Schabbat, 1 Stunde, Mittwochs 10—11 Uhr. 4. Mischne Tora, Buch 9, 2 Stunden, Montags und Donnerstags 10 bis 11 Uhr. 5. Orach Chajim, Hilch. Tefilla. 1 Stunde, Dpnnerstags 1.1-—12 Uhr. 6. Jore De’a, Hilch. Ta’arubot, 2 Stunden, Mittwochs 8—10 Uhr. Dr. Eibogen wird lesen: 1. Pentateuch mit alten Kommentaren (für Fortgeschrittene), 2 Stunden, Dienstags 10—12 Uhr. 2. Talmud babli, Megil.la, Kap. II ff., 4 Std., Sonntags und Mittwochs 8—10 Uhr. 3. Geschichte und Literatur des gaonäischen Zeitalters, 2 Stunden, Mittwochs 10—12 Uhr. 4. Der Synagogengottesdienst, 2 Std., Sonntags. 10—12 Uhr. 5. Historische Übungen, 2 Stunden, Dienstags 8—10 Uhr. Prof. Dr. Maybaum wird lesen: 1. Homiletik, 1 Stunde, Dienstags 9 bis 10 Uhr.