Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IV (1908)
- Issue
- 4 (15.4.1908)
- Date
- 1908-04-15
- Page
- Seite 28 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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28 LITERATURBLATT No. 4 Camilla Theimer, die als ■ Nichtjüdin den Zionismus als einzige vernünftige und gerechte Lösung der Judenfrage bezeichnet. Es ist eine eigenartige Schrift. Zwar ist kein Satz in ihr neu und originell, sondern alles sind gerade dem Zionisten geläufige Qedankenziige. Merkwürdig ist aber eben das, dass sie die Judenfrage so ganz mit unseren Augen sieht. Canti IQ Theimer ist durchaus nicht etwa Judenschwärmerin, vielmehr sind ihre Ausführungen über die Psychologie der europäischen Juden und ihre Stellung zu den arischen Völkern durchaus in der Richtung der antisemitischen Deduktionen gehalten. Umso trefflicher ist ihre Zusammenstellung der Tatsachen und Konsequenzen. Das Wertvollste an ihren Urteilen über die begonnene zionistische Arbeit ist ihre Betrachtung der Dinge von aussen her. Was wir selbst kaum erreichen können, die Bewertung unserer Tätigkeit unter Ausschaltung der Vorurteile, die unsere eigene Mitarbeit uns auferlegt, das ist hier glänzend durchgeführt. Kaum hätten wir selbst immer geglaubt, dass unsere Arbeit so logisch und zielgemäss aufgebaut ist, wie wir, es hier von einer Nichtjüdin hören. Die Abschnitte, die vom Zionismus handeln, sind darum eine der vorzüglichsten Agitationsschriften für unsere Sache. Es kommt hinzu, dass in dem ganzen Büchlein die Darstellung überaus klar, straff gegliedert und anziehend ist. Vielleicht wird mancher, der unsere .Worte und Schriften belächelt, durch diese Arbeit einer arischen Frau über die Judenfrage nachdenklich werden. Alles in allem können wir ruhig sagen, dass es in unserem Interesse liegt, die Theimersche Broschüre in weitere Kreise zu verbreiten. E. Auerbach. Die Lösung der J u d e n f r a g e. Eine Rundfrage verausgabet von Dr. Julius Moses. Berlin-Leipzig: Modernes Verlagsbureau Curt Wigand 1907.. (309 S.) 8. Der Verfasser oder besser der Sammler des Buches hat sich eine leichte Aufgabe gestellt, die ebenso schwer wäre, wenn er sie nach festen Grundsätzen und kritisch angegriffen hätte. So handelt es sich um eine Zusammenstellung von Meinungsäusserungen von Leuten, die zum Teil ja recht wertvoll zum Teil aber so bedeutend sind, wie das, was der getaufte Jude Sittenfeld unter dem Pseudonym Conrad Alberti auf Seite 107 schreibt. Männer wie Nordau, Zangwill. Warburg, Wölffsohn. Mandelstämm, Greenberg, aber auch Karpeles, Hildesheimer, Breuer fehlen und es sind der fehlenden Bedeutenden beinahe noch mehr als der, vorhandenen Kleinen und Bedeutungslosen. Dazwischen sind auch eine Anzahl reicht bedeutender und interessanter Leute, aber die minderen Grössen überwiegen und lassen keinen reinen Genuss an dem Buche aufkommen. Immerhin ist es nicht uninteressant so viele Menschen aus verschiedenen Kreisen zu derselben Frage unabhängig von einander Stellung nehmen zu sehen. Es ist ein interessantes Sammelsurium, aber leider nicht mehr. el. Entstehung, Entwickelung und Prinzipien des Chassidismus von Dr. Ch. Bogratschoff. Berlin: Louis Lamm 1908. 62 S. 8°. 2 Mark. Das lebhafteste Interesse, das dem Chassidismus in wissenschaftlichen und romantischen jüdischen Kreisen in dem letzten Jahrzehnt zuteil wird, hat auch die vorliegende Arbeit zur, Reife gebracht. Wir schätzen unsererseits das wissenschaftliche Interesse an der chassidischen Bewegung höher ein und dieses findet in der fleissigen Arbeit Bogratschoffs, was es sucht. Es ist eine kurze aus den Quellen geschöpfte wissenschaftliche Darstellung dessen, was es in seinem Titel verspricht, ohne gleich eine grundlegende Arbeit für’ die weitere Forschung zu sein. Immerhin steht die Arbeit über dem Durchschnitt gleichartiger wissenschaftlicher Versuche. Recht wertvoll ist die zwar summarische aber nicht unkritische Zusammenstellung der einschlägigen Literatur am Schlüsse der kleinen Schrift, die