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Jüdische Rundschau · 1908-04-15 · 4 (15.4.1908) · p. Seite 27

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IV (1908)
Issue
4 (15.4.1908)
Date
1908-04-15
Page
Seite 27 (sequence 3)
Language
German
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No. 4 LITERATURBLATT 27 das ökonomische und das politische Mittel — Arbeit und Raub, eigene Arbeiter und gewaltsame Aneignung fremder Arbert — wird bald so sehr geistiges Eigentum aller geworden sein, dass es um so notwendiger ist, den Autor dieser ,,selbstverständlichen“ Definierung festzustellen. Man kann diese Erklärung als restlos bezeichnen. „Alle Weltgeschichte bis heute, bis empor zu uns und unserer stolzen Kultur, hat.nur eiinen Inhalt: den Kampf zwischen dem ökonomischen und dem politischen Mittel.“ Um wie viel tiefer schürft dieser Gedanke als der gleistvolle, aber eben nicht ohne Rest erklärende Ausspruch S o m b a r t s , der die Geschichte begreift' als einem „Kampf um den Futterplatz und den Futteranteil.“ —- — Gestützt auf eine gründliche Kenntnis und völlige Durchdringung der zuverlässigsten ethnologischen Materialien verfolgt Oppenheimer die Entwicklung zum primitiven Feudalstaat, dessen Entfaltung, Entstehung des Seestaates, die Entstehung und die Wirkungen des Handels und das Werden und Wachsen des modernen Verfassungsstaates. Und nichts Schablonenhaftes Ist in dieser Darstellung. Sie ist originell vom Anfang an. Es ist nur ein kleines Buch, verglichen mit den Wälzern, die sonst mit wissenschaftlichem Ernst von dergleichen handeln, reichlich anderthalbhundert Seiten. Aber gleichwohl ist es ein stand ard work — das soll in der vollen Bedeutung dieses glücklicherweise noch nicht sehr abgebrauchten Ausdrucks verstanden sein! Nachdem das festgestellt ist, wäre über die Tendenz,' die nach Oppenheimers Schlusskapitel der staatlichen Entwicklung innewohnt, sowie über manche gelegentliche Äusserung des temperamentvollen Verfassers dieses (zwar mit Temperament, doch ohne Leidenschaft geschriebenen) Buches noch manches zu sagen. Das mag ein andermal, vielleicht in besonderem Zusammenhänge mit den an dieser Stelle aktuellen Fragen geschehen. Das Interesse, das in unseren Kreisen für das Thema vorhanden sein sollte, rechtfertigt hoffentlich diese Anzeige und schafft dem Buche viele Leser — wenn für beides nicht der Name des Autors allein schon ausreicht. Dr. Julius Becker. Literaturbericht Antisemitismus und N a t i o n a 1 j u d e n t u m. Ein arischer Beitrag zur Lösung der Judenfrage von Camilla Theimer. Wien 1907. (53 S.) 8°. Preis 1 Krone. Man kann, ohne ungerecht zu sein, behaupten, dass ein Nichtjude die Seele des Juden nie bis in ihre Tiefen hinein verstehen kann. Dasselbe irn umgekehrten Sinne wird ja vorn Juden fortwährend gesagt. Aber was man als Höchstes erwarten kann, das ist der Versuch einer gerecht'*'' Verständigung ohne Feindseligkeit. Das finden wir in der Broschüre von

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