Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IV (1908)
- Issue
- 3 (3.4.1908)
- Date
- 1908-04-03
- Page
- Seite 18 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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18 LITERATURBLATT No. 3 Beamten, Aerzten, Ingenieuren, Anwälten und den hierher gehörigen Berufen im Gegensatz zur Tätigkeit des Fabrikarbeiters so gut wie ausgeschlossen. Es kann aber doch die einseitige körperliche Inanspruchnahme in diesen Berufen, z. B. langes Stehen, Reden, oder übermässiges Sitzen und Fahren in gesundheitlicher Beziehung nicht gleichgültig sein, dazu kommt auch die Verantwortung leitender Beamten, die hohe Ansprüche an die körperliche und geistige Ausdauer stellt. Das Leben in der Grossstadt belastet weit mehr als auf dem Lande die Sinnesorgane, das Nervensystem, ferner Kreislaufs- und Atmungsorgane. Als das erste, einigermassen auf genossenschaftlichem Wege durchgeführte Heilmittel gegen die so entstehenden Schädigungen sind die Turnvereine zu bezeichnen. Die jüdischen Turnvereine sind noch jungen Datums, ihre Zahl beträgt in Deutschland nach Wolff 21. Dagegen gibt es fast noch keine jüdischen Sportvereine, während die bestehenden Ruder- und Sportvereine keinen Juden aufnehmen. Hier bietet sich für eine jüdische Genossenschaft ein weites - Arbeitsfeld. Turnen und Spart sind für die geistigen Arbeiter, denen ja eine systematische Muskelarbeit mangelt, zur Erhaltung und' Förderung der Gesundheit unentbehrlich.*) Ein recht gesunder und leichter Sport ist Kegeln und Billardspiel. Ich glaube, wenn in einem jüdischen V«reinshause Berlins Gelegenheit zum Kegeln und Billardspiel gegeben wäre, ohne Zwang zu alkoholischen Getränken, so würden sich daran besonders Mädchen und Frauen beteiligen können, die bei uns grossstädtischen Juden in noch geringerem Grade als die Männer ihre Muskeln üben können. Es passt nicht jede Körperübung für alle Menschen. Wer abends spät von geschäft-r licher Anstrengung heimkehrt, sollte nicht die schwersten Geräteübungen machen, es muss nach Alter und körperlichem Zustande individualisiert, mit leichtem Sport begonnen und allmählich schwere Uebungen vorgenommen werden. Die grössten Fehler werden in der Grossstadt auf dem Gebiete der Ernährung begangen; es wird zu viel oder zu unregelmässig gegessen, oder die Qualität der Nahrungsmittel lässt in physiologischer und hygienischer Beziehung zu wünschen übrig. . Beim Besuche eines alten Friedhofs einer kleinstädtischen, jüdischen Gemeinde findet man unter den alten Denkmälern die Mitteilung, dass der Verstorbene 100, 104 Jahre erreicht hat. Demgegenüber fällt bei den neueren und prunkvolleren Grabsteinen eine Verkürzung der Lebensdauer auf. Worin aber bestand das Geheimnis der Langlebigkeit unserer Gross¬ und Urgrosseltern? In der Woche waren sie Vegetarianer, assen nur zweimal Fleisch und fasteten, noch dazu Montag und Donnerstag einen halben Tag. Das gibt uns einen Fingerzeig, auf welchem Wege wir in der Grossstadt die Ernährung ändern können und müssen. Der Hausarzt empfiehlt frisches Gemüse, wie Blumenkohl, Spinat usw. als Nahrungs- '*0 Näheres darüber in einem Aufsatz Franz Oppenheimers im Aprilhefte der NEUEN DEUTSCHEN RUNDSCHAU, Jahrgang 1901.