Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IV (1908)
- Issue
- 3 (3.4.1908)
- Date
- 1908-04-03
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Literaturblatt der Jüdischen Rundschau Beilage zu Q .Jüdische Rundschau“ Jahrg. XIII. No. 14 iierausgegeben von Br. Heinrich £oewe. f? Redaktion: BERLIN N. W. 52, Melanchthonstrasse 4. No. 3. Berlin, 2. Nissan 5668 — 3. April 1908 Jahrg. IV. Sozialpolitik der Juden in der Gegenwart von Dr. H. L. Eisen Stadt. (Schluss.) Während die Sterbeziffer der preussischen Juden im Jahrfünft 1878—82 10,13 °/oo betrug und 1898—1902 auf 11,03 c'/oo stieg, zeigt sich bei den preussischen Christen das umgekehrte Verhalten. Für diese lauten die Zahlen 11,82 ’/oo und 10,11 %». Diese Aufstellungen führen eine ‘beredte Sprache, sie sagen nichts mehr und nichts weniger, als dass die Juden i:i Preussen bei gleichbleibendeu sozialen Verhältnisen, bei der Fortdauer der angeführten Schädigungen in einem durchaus absehbaren Zeitraum aussterben würden. Damit aber kommen wir zu dem Ausgangspunkte unserer Betrachtung' zurück. Die vielgepriesene Emanzipation hat zur Aenderung des sozialen Milieus, der Berufe für die Juden nichts gewirkt und mit dringender Notwendigkeit erhebt sich für uns die Forderung der Selbsthilfe, wollen wir, wie es Elternpflicht ist, an die Zukunft unserer Kinder denken. Ich habe in einem noch ungedruckten Manuskripte, das sich „Bausteine jüdischer Sozialpolitik“ betitelt, einen gangbaren Rettungsweg ausführlich besprochen. Vor allem halte ich es für notwendig, dass wir uns ohne Unterschied der religiösen und politischen Ueberzeugungen, Männer und Erauen, zu einem Jüdisch-sozialen Bunde zusammenschliessen. In diesem Bunde muss durch freie Aussprache ermittelt werden, was durch das moderne Mittel genossenschaftlicher Verbindung praktisch ausgeführt werden kann. 1. Zur Beseitigung der Gesundheitsschädigungen, welche aus dem Leben in der Grossstadt herrühren; 2. zu einer sozialen Erziehung unserer Kinder und zur Wahl oder Neuschaffung oder hygienischem Ausbau der Berufe; 3. auf dem Gebiete der Sexualpolitik. Was zunächst die gesundheitlichen Nachteile der geistigen Arbeit zumal in der Grossstadt betrifft, so ist darüber wenig bekannt geworden. Für gewöhnlich nimmt man die Berufshygiene nur für die Handarbeiter als notwendig an, der geistige Arbeiter hat, wie man glaubt, Zeit und Geld genug, um im Falle der Krankheit für sich etwas zu tun und kostspielige Kuren auszuführen. Eine Berufsschädigung hält man bei den Kaufleuten,