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Jüdische Rundschau · 1908-03-27 · 2 (27.3.1908) · p. Seite 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IV (1908)
Issue
2 (27.3.1908)
Date
1908-03-27
Page
Seite 10 (sequence 2)
Language
German
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10 LITERATURBLATT -No. 2 Kgr. Hannover ein häufigeres Auftreten der Idiotie unter den dortigen Juden als bei der anderen Bevölkerung gefunden hat. Ein anderer Autor betont aber gerade das seltene Vorkommen der Idiotie bei den Juden. Dieser Widerspruch steht also der Annahme entgegen, dass hier die fehlerhafte Rassenmischung von Einfluss sei. Auch haben die ausgedehnten Forschungen über die Folgen des Alkoholismus zweifellos ergeben;, dass die Trunksucht des Vaters eine Hauptursache der Idiotie des Kindes ist. Ueber die Häufigkeit der Geisteskrankheiten unter den Juden berichten mehrere Autoren. Allein diese Zahlen sind mit grösster Vorsicht aufzunehmen. Wir besitzen keine direkte Krankheitsstatstik und erst recht keine Statistik der Geisteskrankheiten. Die Angaben über den Zugang zu den preussischen Irrenanstalten sind zwar recht genau, ersetzen aber keine allgemeine Zählung vermutlich befinden sich bei der christlichen Bevölkerung mehr derartige Kranke in häuslicher Pflege, während die jüdische Bevölkerung mehr und früher die Geisteskranken in Anstalten schickt. Singer meint, für die Häufung der Geisteskrankheiten unter den Juden komme vor allem die bei ihnen weit verbreitete Verwandtenehe zur Erklärung in Beitracht. Allein was sagen andere Autoren über die Verwandtenheirat? Prof. Jacobi, ein sehr erfahrener Kinderarzt, äussert sich in seiner Therapie des Säuglings- und Kindesalters wie folgt: „Ich kann mindestens auf Grund theoretischer Erwägungen und praktischer Erfahrungen nicht zugeben, dass die Kinder von zwei gesunden, noch so nahe verwandten Personen aus dem Grunde der Verwandtenheirat krank sein müssen.“ Weiter führe ich die Erhebungen des Herrn Geh. Rat May et über Verwandtenehen an. Dieser Autor fand, dass von 16 416 in den preussischen Anstalten angenommenen, Idioten nur 237 aus blutsverwandten Ehen stammen. Er. kommt zu dem Schluss, wenn dieselben Familienanlagen in beiden blutsverwandten Eltern vorhanden sind, so verstärken sie sich durch Vererbung. Eben dieser Ansicht ist Geb. Rat Kraus, nur aus dem Grunde hält er die Verwandtenehe nicht für ratsam, weil sie leicht zu einer Verstärkung des Erblichkeitseffektes führt. Weiter gibt Singer der Verwandtenehe Schuld an dem: häufigen Vorkommen der Taubstummheit bei den Juden. Er wundert sich aber über das seltene Auftreten der Taubstummheit unter den ungarischen Juden. Nun haben jedoch diese nach der amtlichen Statistik von 1901—1904 fünfmal so oft Verwandtenehen geschlossen als die christliche Bevölkerung Ungarns. Ferner hat Peiper nachgewiesen, nur 1,6—2,5 Prozent der Ehen, welche Taubstumme erzeugen, sind blutsverwandt. ■ Das häufige Vorkommen von Kurzsichtigkeit bei den jüdischen Schülern kann als .Rassenentartung keineswegs gedeutet werden, seitdem Prof. Hermann Cohn nachgewiesen hat, dass die Kurzsichtigkeit an den höheren Lehranstalten weit verbreiteter ist als an den Dorfschulen; ersitere werden ja „vorzugsweise von den jüdischen Schülern besucht. r; n Es bleibt nur noch eine Stütze für die Theorie der Rässendegeneiration, das häufige Vorkommen der Stoffwechselkrankheiten, also Fettsucht, Gicht, Zuckerkrankheit, Nierenentzündung und der. Nervenkrank-

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