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Jüdische Rundschau · 1908-02-21 · 1 (21.2.1908) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IV (1908)
Issue
1 (21.2.1908)
Date
1908-02-21
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 LITERATURBLATT No. l Palästinavereins unter den bisher in Palästina vorgenommenen unstreitig den ersten Rang ein. Sie bringen durch eine Reihe grosser Entdeckungen nicht nur, sondern auch eine Menge Einzelfunde ausserordentlich reiche Beiträge wie für die biblische Wissenschaft pnd Religionsgeschichte, so auch für die Kulturgeschichte einer altpalästinischen Sitadt. Die Grabung hat sieben Schichten blossgelegt, an deren Hand wir von der griechischen Zeit durch einen Zeitraum von vier Jahrtausenden bis hinab in die Urzeit von Gezer steigen. Es ist ja mit diesen übereinander gelagerten Kulturschichten einer alten Trümmerstätte nach Macalisters. des Entdeckers von Gezer, eigenem Vergleich wie mit einem Bücherbrett, dessen Borten über oder unter einander vor uns liegen. Wer nur zu lesen versteht, für den stehen auf dem obersten Brett die Berichte der jüngsten Zeit. Eine Borte darunter steht die Geschichte der nächstälteren Periode, und so gräbt und steigt man hinab bis in die älteste kananitische Zeit, deren Kultur teils .assyrisch-babylonisch, teils ägyptisch beeinflusst ist. In Gezer kann man sogar noch über diese Periode hinaus in den Höhlen des Naturfelsens die Spuren der Ureinwohner wahrnehmen. Demzufolge verteilten sich die Bauschichten von Gezer auf vier einander ablösende Kulturperioden. In der ältesten n eo 1 i t h i s c h e n Zeit, die Macalister etwa mit 4000 v. Chr. G. beginnen lässt, treffen wir Höhlenbewohner auf dem freigelegten weichen Kalksteinfelsen, der später die Stadt Gezer trug. Sie gehören nach ihren Skeletten einer vorsemitischen Rasse an, die kleiner, aber muskulöser war als die Semiten. Eiir eine scharfe Scheidung von diesen spricht auch die bei ihnen Vorgefundene Sitte der Toten Verbrennung; sie besassen zu dem Zweck eine besondere Höhle mit einer Art Schornstein („Krematorium“), deren Boden mit der Asche verbrannter Leichname bedeckt war. Die Wohnungen dieser Troglodyten waren teils natürliche, teils künstlich erweiterte Höhlen, deren Eingang für die Bewohner leicht zu verteidigen war. Die Ausstattung mit tönernen Gefässen — der Archäologe Flinders Petri nennt die Tonscherbe den Schlüssel zur Archäologie Palästinas — war die denkbar einfachste; die Gefässe sind mit der Hand, ohne Drehscheibe, gebildet und zuweilen mit roten und weissen Linien gemustert. Diese beiden ältesten Schichten werden von einer Doppelschicht überdeckt', in der eine neue Generation sich auf den Trümmern der alten angebaut hat. Es ist die ältere semitische oder kananitische Zeit. Die Skelettfunde sind stärker und grossknochiger; sie stimmen im Typus mit dem der heutigen arabischen Fellachen überein. Ueberhaupt finden sich überraschende Parallelen zu den heutigen dörflichen Verhältnissen Palästinas. Die Dächer der Häuser sind mit Stroh, Reisig oder Lehm belegt, die Strassenziige laufen krumm und regellos. Der Kult ist in dieser dritten und vierten Schicht der Baalkult, für den die zahlreichen Malsteine („Masseben“) charakteristisch sind. Neben ihm tritt allmählich der Astärtedienst in den Vordergrund, dessen Dasein viele Terrakotta-Tafeln mit der nackten Göttin bezeugen. Die wichtigste Entdeckung aus dieser Periode aber ist die „Höhe“, das grösste bisher bekannt gewordene alt-

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