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Jüdische Rundschau · 1907-12-20 · 19/20 (20.12.1907) · p. Seite 167

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
III (1907)
Issue
19/20 (20.12.1907)
Date
1907-12-20
Page
Seite 167 (sequence 15)
Language
German
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No. 19/20 LITERATURBLATT 167 Gesellschaft eine neue, ebenso umfangreiche und überaus wichtige Aufgabe in Angriff: Tell-Amama, der Fundort des oben erwähnten Tontafelarchivs* ist die Stätte, an der Amenophis IV. aus der achtzehnten Dynastie (um 1500 v. Chr.), dessen Regierungszeit einen völligen Bruch! mit der Tradition in religiöser und zum Teil auch in künstlerischer Hinsicht bedeutet, seine neue Residenz gegründet hat. . Wegen der verhältnismässig kurzen Lebensdauer dieser Stadt — unmittelbar nach dem Tode des ״Ketzerkönigs“ wurde sie verlassen — und weil diese Zeit zugleich einen Höhepunkt in Kunst und׳ Kunstgewerbe darstellt, sind die in Tell-Amarna zu erwartenden Funde von ganz unschätzbarem Werte für die Altertumswissenschaft. Es steht zu erwarten, dass man hier ein anschauliches Bild von der Anlage einer ägyptischen grossen Stadt gewinnen wird mit ihren Tempeln, Palästen und Privathäusern, und zwar einer Stadt, die im Brennpunkt des politischen und kulturellen Lebens gestanden hat. Durch die Freilegung gerade dieser Ruinen wird sich also die Deutsche Orient-Gesellschaft ein ganz besonderes Verdienst erwerben. Ein Mendelssohndenkmal. Der Plan, Moses Mendelssohn in Berlin, wo er an der Seite Lessings und Nicolais gewirkt, ein Denkmal zu errichten, ist in jüdischen Kreisen aufgetaucht. Die Ehrung soll Moses Mendelssohn als dem Mitschöpfer des deutschen Prosastils, dem Manne, der die Schranken des Ghetto durchbrachen und der deutschen Kultur bei seinen Glaubensgenossen Eingang verschafft hat, gelten. Dem Andenken Mendelssohns sind bisher in Berlin nur zwei Porträtmedaillons, amt Rathause und am Lessing-Denkmal, und ein Monument in seiner Vaterstadt Dessau gewidmet. Börries v. Münchhausen in Wien. Fast unerkannt, wenig bemerkt und von wenigen aufgesucht — hat Börries von Münchhausen, der Sänger des herrlichen Balladenbuches ״Juda“, in Wien gelesen. Der frühere ״Ainsorge“-Verein, der jetzt unter dem1 Titel .,״Verein! für Kunst und Literatur“ den musikalisch-literarischen Feinschmeckern wahre Festmahle zu bereiten weiss, brachte am letzten Donnerstag diesen merkwürdigen Dichter an den Vorlesetisch. Baron Münchhausen las zuerst den ״Triumphgesang der Juden nach der Zerstörung Babylons“, dann ״Die Weissagung Jesaias an Juda“ und endlich ״Saul bei der Hexe von Endor“. Grosse Verblüffung vorerst bei all Jenen, die nicht wussten, dass Münchhausen schon vor zehn Jahren den jungjüdischen Dichtern präludiert ,hatte, dass er zuerst von allen Modernen die Grösse der altjüdischen Geschichte erfasst und dichterisch verklärt hat. Da stand nun ein eleganter, junger Kavalier aus ältestem, deutschem Geschlechte iri moderner Festtracht und rezitierte mit Begeisterung altjüdische Gedichte eigener Faktur. Diese Zwiespältigkeit war kaum zu verstehen. Es ist dieselbe originelle Discrepanz, die ,im Buche Juda selbst zum Ausdrucke zu kommen scheint. Dieses Buch ist nämlich von Lilien, dem jüdischesten aller lebenden Künstler, illustriert. Die Lettern des Wortes Juda sind deutsch, scheinen aber auf den ersten Blick hebräisch, ein Sinnbild des ganzen Werkes. Münchhausens Dichtungen sind eingefasst, umrankt, ja, ich muss sagen, glorifiziert von diesen seltsamen Zeichnungen im einfachen Schwarz-Weiss. Und doch! ist alles einheitlich in diesem! Buche, sowie in diesem . :nter aus

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