Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- III (1907)
- Issue
- 19/20 (20.12.1907)
- Date
- 1907-12-20
- Page
- Seite 168 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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168 LITERATURBLATT N0. 19/20 altdeutschem Geschlecht, das sich mit einem jüdisch-nationalen Künstler vereinigt hatte, um eines tder schönsten Bücher der letzten zehn Jahre ■ zu schaffen. Münchhausen ist kein alltäglicher ,.Judenfreund‘‘, kein Freund billiger Phrasen von Gleichheit aller Menschen und Gleichberechtigung aller. Baron Münchhausen ist Aristokrat vom Scheitel bis zur Zehe, stolz auf sein Geschlecht und dessen bis ins dreizehnte Jahrhundert nachweisbaren Stammbaum. Was ihm der Aristokrat alten Blutes unter den Zeitgenossen bedeutet, ist ihm das jüdische Volk unter den Nationen. Baron Münchhausen legt Wert auf manche standesgemässe Empfindüng, die man leichthin Härte nennen möchte, wenn nicht aus seinen Dichtungen soviel reines Menschentum, soviel Anteilnahme an fremdem Geschick herausleuchten würden. Der angenehme Zufall wollte es, dass ich mit Baron Münchhausen in seiner Heimatsstadt Hannover zusammen vorlesen durfte. Er war von seinen Gütern in der Nähe von Leipzig nach Hannover gefahren, um an diesem Leseabend des Vereins ״Zion“ mitzuwirken. Damals las er auch ein Gedicht, zu welchem׳ ihm die Pogrome in Russland den Stoff geliefert hatten. Es war das Allerrührendste, was zur Erinnerung an diese traurigen Tage geschrieben wurde. Es war noch im Manuskript rasch entstanden im Augenblick des Mitempfindens kurze Zeit nach׳ den ersten Nachrichten über die Schreckenstage. Doch nun zurück zu dieser Vorlesung, die einen starken Erfolg des Dichters bedeutete, einen Erfolg, der in den wichtigsten Tagesblättern ein klares Echo gefunden hat. Der Epilog war schöner als der Prolog, denn die Zeitungen hatten als Einladung nur karge Notizen gebracht, so dass der Saal, wie schon erwähnt, nicht sehr voll war. Jene Kreise, die das zahlreichste Publikum geliefert hätten, wussten von dieser Vorlesung überhaupt nichts. Wenn Börries von Münchhausen wieder nach Wien kommen will, dann wird er in einem grossen, dichtgefüllten Saal vor dem besten Publikum unserer Stadt lesen und alle Ehren sollen ihm erwiesen werden, die sein ernstes Streben, sein starkes Können und sein vornehmes Wesen verdienen. H. York-Steiner. (OEST. WOCH.) Berichtigung. In die Rezension von Emil Cohns S 0 m e P r 0 b 1 em s haben sich zwei sinnentstellende Druckfehler eingeschlichen. In der vierten Zeile muss es statt ״Behauptung“ Besprechung, in der vorletzten Zeile statt ״schnelle“ schnell zahlreiche Freunde