Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- III (1907)
- Issue
- 19/20 (20.12.1907)
- Date
- 1907-12-20
- Page
- Seite 166 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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166 LITERATURBL ATT N0. 17/20 Manche Inschriften verraten auch das Amt, welches der Verstorbene bei dem Staate oder der jüdischen ,Gemeinde bekleidete. Interessant ist auch eine lateinische Inschrift in Versen, Maruchi spricht die Zuversicht aus, Hass die weiteren Grabungen jüdische Katakomben aus dem ersten Jahrhundert der christlichen Zeit zutage fördern werden, obgleich der älteste der׳ bisherigen Funde nicht über das vierte Jahrhundert unserer Zeitrechnung hinausreicht. In Trastevere hat schon zu Augustus Zeiten eine jüdische Kolonie bestanden, deren Bewohner aber fast lauter arme Juden waren. Dieser ältere Teil muss noch auf gedeckt werden. Da die Juden- Christen zur Zeit der Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 u. z. noch als zur Synagoge gehörig gedacht werden können, so dürften die weiteren Ausgrabungen auf diesem Gebiete noch manchen interessanten und wertvollen Fund ans Licht bringen. Die Deutsche Orient-Gesellschaft hat soeben die Nachricht erhalten, dass es der zur Aufnahme und Untersuchung der Synagogenruinen Galiläas ausgesandten Kommission, die aus den Herren RegierungsbaumeistemKohl und Professor Watzinger bestand, gelungen ist, hinreichendes Wissenschaftliches Material zu sammeln, um eine grundlegende Publikation darauf aufzubauen, die an kurist- und kulturgeschichtlichen Ergebnissen viel Neues und Interessantes zu bringen verspricht. Aber schon wendet sich die Deutsche Orient-Gesellschaft einer neuen, vielleicht noch bedeutsameren Aufgabe auf palästinensischem Boden zu. Zur Ausgrabung des alten Jericho, das schon vor dem Einrücken der Hebräer in Kanaan eine stark befestigte Stadt, entsendet die D. O.-G. in •den nächsten Tagen eine auf drei Monate berechnete Expedition, an deren Spitze der Professor für alttestamentliche Theologie an der Universität Wien; Dr. Ernst Sellin steht und an der als Archäologe der bereits genannte Professor Wazinger aus Rostock, als Architekt der Regierungsbaumeister Langenegger aus Dresden teilnehmen werden. Die Autorität eines jeden dieser Herren auf seinem speziellen Gebiete und die Erfahrung, die alle drei durch ihre frühere Tätigkeit bei Ausgrabungen im Orient gewonnen haben, gewährleistet eine allen Aufforderungen der Wissenschaft genügende Durchführung /des Unternehmens, dessen hohe Wichtigkeit auf der Hand liegt, — Von nicht geringerer Bedeutung für die alte Geschichte des Vorderen Orients ist die Ausgrabung, die von der Deutschen Orient-Gesellschaft im verflossenen Sommer im Herzen von Kleinasien unternommen worden ist, nämlich in Boghaskoi, das sich als die einstige Hauptstadt des bisher noch so rätselhaften Volkes der auch im Alten Testament genannten Hethiker herausgestellt hat. Dort hat Professor Hugo Winckler von der Berliner Universität bedeutende Tontafelstunde gemacht, durch die die alte Staaten- und Kulturgeschichte Kleinasiens zum ersten Male auf festen Boden gestellt und die engen Beziehungen derselben zu Aegypten und Mesopotamien um die Mitte des zweiten Jahrttausends v. Cbr. in helles Licht gerückt werden. Die Tontafeln von Boghaskoi stehen inhaltlich und1 zeitlich in nächstem Zusammenhang mit den in Teil Amarna gefundenen, die bekanntlich ebenfalls durch Professor Winckler ihre erschöpfende Behandlung gefunden haben. Aus seiner Feder wird das demnächst erscheinende Heft der ״Mitteilungen der Deutschen Orient-Gesellschaft“ einen vorläufigen Bericht über die zum Teil überraschenden diesjährigen Ergebnisse bringen. — Auch in Aegvpten entfaltet die Deutsche Orient-Gesellschaft dauernd eine vielseitige Tätigkeit. Die Grabungen am Totentempel und •der Pyramide des Königs Sahure bei Abusir haben eine alle Erwartungen übertreffende Ausbeute an feinen Kalksteinreliefs des Alten Reichs ergeben. Sobald durch diese Arbeiten, die sich schon ihrem! Ende nähern, die Freilegung des gesamten Pyramidenleides von Abusir, so weit es sich um Bauten aus der fünften Dynastie handelt, zum Abschluss ■ gebrächt sein wird, nimmt die Deutsche, Orient-